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Hugo-Münsterberg-Medaille

Seit 1981 verleiht der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen die Hugo-Münsterberg-Medaille als Auszeichnung für besondere Verdienste um die Angewandte Psychologie. Die Verleihung erfolgt alle zwei Jahre auf den Deutschen Psychologentagen / Kongressen für Angewandte Psychologie

Wer war Hugo Münsterberg?
Hugo Münsterberg (1863-1916) war von 1882 bis 1885 ein Schüler Wilhelm Wundts. Über Heidelberg kam er 1889 nach Freiburg, wo er seine vielbeachteten "Beiträge zurexperimentellen Psychologie" veröffentlichte.

Wegen seiner Originalität und streng empirischen Orientierung war er als Forscher zunächst umstritten. Doch William James gratulierte Münsterberg zu seinem Blick für das Wesentliche in der jungen Disziplin. Er holte Münsterberg 1892 für eine Gastprofessur nach Harvard. 1895 kehrte Münsterberg nach Deutschland zurück. mit dem Angebot in der Tasche. eine feste Professur in Harvard zu übernehmen. Nach zwei Jahren Bedenkzeit nahm er das Angebot an, James gab seinen Lehrstuhl für Psychologie an ihn ab und lehrte künftig wieder Philosophie.

Münsterberg veröffentlichte in der Folge viele experimentalpsychologische Untersuchungen aus seinem in Harvard eingerichteten psychologischen Labor. Sein Weitblick. seine persönliche Kreativität ließen jedoch psychologische Experimente zur Erforschung der allgemeinen Gesetze menschlichen Erlebens-Verhaltens-Werkgestaltens nie zum Selbstzweck. gerinnen. Schon 1913 schrieb er über die psychologische Arbeit, dass diese inzwischen "eine Stufe erreicht hat, auf der der Austausch zwischen Theorie und Praxis als förderlich und anregend nach beiden Richtungen hin betrachtet werden darf. Manche Fachpsychologen freilich, die jede Berührung der Forschung mit den Trivialitäten des praktischen Lebens wie eine Entweihung empfinden, würden es auch heute noch lieber sehen, wenn dieser Zeitpunkt weit hinaus geschoben würde." Und er begründet seine eigene Sehweise: "Erziehen und Unterrichten, Rechtsprechen und Strafen, Arbeiten und Kaufen, muss überall vorsichgehen und muss überall mit psychologischen Tatsachen rechnen. Versagt die wissenschaftliche Psychologie ihre Hilfe, so nimmt das Leben mit vorwissenschaftlicher Beobachtung vorlieb. Da kann es doch unmöglich den Interessen der Kultur entsprechen, wenn die Psychologie darauf besteht, ihr nichts zu geben. weil sie ihr noch nicht alles geben kann."

Boring, der eine Geschichte der experimentellen Psychologie schrieb. grenzt Münsterbergs Verdienst für diese enge Konzeption von Psychologie ein. Zugleich verdeutlicht er jedoch, was für den Anwender von Psychologie durch Münsterberg gewonnen wurde: "Was geschah war. dass Münsterberg zu originell war; sein energischer Geist wandte sich alsbald von der experimentellen zu noch neueren Formen der Psychologie. Er bahnte den Weg für psychotherapeutische Anwendungen, für die Psychologie im Bereich der Rechtspflege und für die Industriepsychologie. In gewisser Weise begründete er die Angewandte Psychologie."

Der weitere Lebensweg Münsterbergs sowie sein Lebenswerk sollte sich künftig deutschsprachiger Psychologie und Psychologiegeschichtsschreibung erst erschließen. Münsterberg war auch als Bürger engagiert und der Ausbruch des ersten Weltkriegs, die damit verbundene Spannung zwischen Amerika und Deutschland, trafen und erschütterten ihn persönlich so sehr, dass er 1916 starb.

Michael Hockel

Die Träger der Hugo-Münsterberg-Medaille:

  • 1981: Prof. Dr. Dr. Helmut von Bracken (†)
  • 1983: Prof. Dr. Wilhelm Arnold (†)
  • 1985: Prof. Dr. Erna Duhm
  • 1987: Prof. Dr. Arthur Mayer (†)
  • 1989: Dr. Fritz Pirkl (†)
  • 1991: Prof. Dr. Reinhardt Tausch
  • 1993: Prof. Dr. Dr. Hermann Wegener (†)
  • 1995: Prof. Dr. Carl Graf Hoyos
  • 1997: Prof. Dr. Elisabeth Müller-Luckmann
  • 1999: Prof. Dr. Klaus Grawe (†)
  • 2001: Prof. Dr. Jürgen Guthke
  • 2003: Dipl.-Psych. Arthur Fischer
  • 2005: Prof. Dr. Eberhard Ulich