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Pressemitteilung der Sektion Verkehrspsychologie

Es geht um Menschen, nicht um Technik und Schilder

PASS - ein Modell deutscher Psychologen für mehr Verkehrssicherheit in Europa

Am 14. und 15. Juni 2007 findet in Wien der 2. Internationale Fit to Drive-Kongress statt. Bei diesem Kongress geht es um Sicherheit von individueller Mobilität in Europa.
Der Führerschein setzt eine Fahrprüfung voraus. In diesem Punkt ist sich Europa einig. Damit enden aber schon fast die Gemeinsamkeiten im Fahrerlaubnisrecht der europäischen Mitgliedsstaaten. Ob und wann eine Fahrerlaubnis nach schwer wiegenden oder häufigen Verkehrsverstößen entzogen wird, ist in jedem europäischen Land anders geregelt. Gleiches gilt für Art und Höhe von Strafen und Geldbußen und die Bedingungen für die Neuerteilung einer Fahrerlaubnis. Sprachprobleme und ungeklärte Strukturen und Zuständigkeiten behindern den notwendigen Informationsaustausch. Ein für alle europäischen Fahrerlaubnisbehörden zugängliches Fahrerlaubnisregister fehlt. Punktesysteme existieren nur in wenigen Ländern. Führerscheine werden im Internet gehandelt. Der oft beklagte "Führerscheintourismus" wirft ein Schlaglicht auf die Probleme, die sich aus diesem rechtlichen Tohuwabohu ergeben.
In dieser Situation gründete die Sektion Verkehrspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) den "Runden Tisch der Verkehrspsychologen". Zeitnah zum Inkrafttreten der dritten Führerscheinrichtlinie, die den Führerscheintourismus in Europa beenden soll, stellt der Runde Tisch nun beim Wiener Kongress das Modell PASS - Psychological and Medical ASsistence for Safe Mobility der Öffentlichkeit vor. Dieses Modell setzt auf die Stärkung der Eigenverantwortung des einzelnen Verkehrsteilnehmers, um die individuellen Mobilitätsbedürfnisse mit den Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit zu vereinbaren. PASS betrifft alle Verkehrssysteme: Straße, Schiene, Luft und Wasser.

Die EU hat sich mit der Halbierung der Zahl der Verkehrstoten bis 2010 ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt. Die technischen Möglichkeiten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit sind praktisch ausgereizt. Damit rückt der "Faktor Mensch" immer stärker in den Vordergrund. "Es geht um persönliche Ressourcen und Kompetenzen der Fahrer, Gewohnheiten und Einstellungen", so Adalbert Allhoff-Cramer, Vorsitzender der Sektion Verkehrspsychologie im BDP. "Dies sind die Domänen der Verkehrspsychologie und Verkehrsmedizin. Im deutschsprachigen Raum gibt es eine lange Tradition der Verkehrspsychologie. Sie hat wichtige Impulse in die Fahrlehrerschaft hineingetragen."
Angesichts des durch Verkehrsunfälle verursachten Leids und der immensen volkswirtschaftlichen Kosten schlägt der "Runde Tisch" vor, frühzeitig in den Aufbau sicherer Verhaltensweisen zu investieren. Die Mobilitätskompetenz muss bereits in den Schulen überprüft und verbessert werden. "In der eigentlichen Fahrausbildung sollte eine intensive persönliche Auseinandersetzung mit den Einstellungen und Neigungen der Fahranfänger stattfinden", so Allhoff-Cramer. Darin ist er sich mit Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender des europäischen Fahrlehrerverbandes, einig: Die Intensität und Dauer der Fahrausbildung und die Qualität der Fahrprüfung muss in Europa ein einheitlich hohes Niveau erreichen. Dabei geht es nicht primär um technisches Wissen, sondern um persönliche Kompetenzen und Einstellungen. Lebenslanges Lernen bedeutet für Berufskraftfahrer auf dieser ersten Präventionsebene, dass sie nicht nur ihr Know-How regelmäßig auffrischen, sondern auch in charakterlicher Hinsicht der großen Verantwortung ihres Berufsstandes gerecht werden.
Auf der zweiten Präventionsebene sollten Förderprogramme auffällig gewordenen Fahrern helfen. Das setzt aber ein funktionierendes Punktesystem und Wirksamkeitsnachweise voraus. Zeigen individuelle Hilfestellungen, Punktesysteme und Rückmeldungen der Fahrerlaubnisbehörden keine Wirkung mehr, ist der Führerschein in Gefahr. Auf dieser dritten Präventionsebene fehlen einheitliche Standards und Kriterien für den Entzug und die Neuerteilung der Fahrerlaubnis, mit weitreichenden Folgen für die Verkehrssicherheit.
Mit der Harmonisierung der Rechtssysteme dürfte sich endlich auch der Führerscheintourismus erübrigen, der in erster Linie aus den historisch gewachsenen Unterschieden im Verkehrsrecht resultiert.
PASS bedeutet vor allem: Interdisziplinäre Zusammenarbeit aller relevanten Fachrichtungen, insbesondere der Psychologie und der Medizin. "Eine rein medizinische Betrachtungsweise führt jedoch ins Abseits", warnt Allhoff-Cramer. "Das verkehrsmedizinische Fachwissen stellt einen wichtigen und notwendigen Mosaikstein in der Beurteilung individueller Verkehrsrisiken dar. Aber erst das in 50 Jahren entwickelte Know-How der Verkehrspsychologie rundet das Präventionspaket ab."


Kontakt:
Adalbert Allhoff-Cramer
BDP Sektion Verkehrspsychologie
Glockengießerwall 19
20095 Hamburg
Tel. 040 - 794 164-0
Fax 040 - 794 164-28
vorstand@bdp-verkehr.de

12.2.2007