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Informationsdienst Psychologie - IDP 2/2003
Themenbeispiele
Neid- und Gerechtigkeits-Kognitionen bei Hochwasseropfern
Bisher ist wenig bekannt, wie Opfer von Naturkatastrophen Entschädigungen wahrnehmen und verarbeiten. Daniel Schöps berichtet in seinem Beitrag von einer Studie, die stichprobenartig unter Hochwasseropfern die Wahrnehmung der erhaltenen Entschädigung, das Ausmaß episodischen Neidgefühls und Gerechtigkeitskognitionen untersucht hat. Darüber hinaus wurde das Ausmaß posttraumatischer und depressiver Reaktionen gemessen. Schöps und seine Kollegen werten die Daten zur Zeit noch aus.
Präventionsmöglichkeiten bei amokartigen Suizidaktionen
Dr. Birgit Böhm beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit Fremd- und Autoaggression bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie geht Ursachen nach, um daraus Ansätze zur Prävention abzuleiten. Dr. Böhm verarbeitet dabei Erfahrungen aus eigener Praxis sowie einer Erziehungsberatungsstelle. Sie ist in der Nachsorge der Gewalttat von Erfurt tätig. Prävention sollte nach Ansicht von Dr. Böhm möglichst früh ansetzen und muss auf spezielle Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnitten werden. Auch eine klare Zielsetzung bezogen auf das angestrebte Verhalten sollte vorab genau festgelegt werden.
Kaufsucht
Um Schattenseiten der Konsumgesellschaft kompensatorisches und süchtiges Kaufverhalten geht es im Vortrag von Gerhard Raab beim 22. Kongress für Angewandte Psychologie in Bonn. Kaufen, so belegen neuere wissenschaftliche Untersuchungen, kann wie Rauchen, Arbeiten, Spielen und Essen kompensatorische und süchtige Formen annehmen. Im Rahmen des Vortrags wird auch auf die Folgen einer zunehmenden verbreitung kartengestützter zahlungssysteme und die steigende Nutzung des Internets zum Kauf eingegangen. Raab wird gemeinsam mit Michael Neuner und Lucia A. Reisch einen Ansatz vorstellen, durch den der bewusste und kompetente Umgang mit Geld und Konsum bei Jugendlichen gefördert werden soll. An seiner Entwicklung waren Banken, Verbraucher- und Schuldnerberatung sowie Schulen beteiligt.
1001 Zukunftskonferenzen für Deutschland
Ausgehend vom großen Thema des Psychologenkongresses beschäftigt sich Knut Hüneke mit »Visionen für unser Land in einer Welt«. Ausgangspunkt für das von ihm beschriebene Projekt »1001 Zukunftskonferenzen« ist die Überzeugung, dass es einen hohen Bedarf gibt, hochkomplexe Problemlagen nicht mehr nur auf der Ebene von Positionen auf der politischen Bühne unter Beteiligung von Lobby- und Expertengruppen zu entscheiden, sondern verstärkt an einer auch gesellschaftlichen Durchdringung der Problemlagen über öffentliche Diskurse und Bürgerbeteiligung zu arbeiten. Zukunftskonferenz meint nach Hüneke nicht die Großgruppeninterventionsmethode Zukunftskonferenz/Future Search nach Weisbord/Janoff, sondern schlicht Konferenzen mit der Ausrichtung auf die Zukunft. Methodisch ist allerdings sehr wohl auf Großgruppeninterventionsverfahren gezielt wie eben Zukunftskonferenz, Open Space, Appreciative Inquiery, Real Time Strategic Change, Konsensuskonferenz, Gemeinsinn-Werkstatt. In seinem Beitrag will er die Idee, ihre Zielstellung und die Träger vorstellen, die Beziehung zu anderen Initiativen und Kampagnen erläutern und den methodischen Rahmen begründen. Die Ausbreitungsstrategie soll ebenso dargelegt werden wie Konzepte für die Verknüpfung und Auswertung der Konferenzen bis hin zur Sicherstellung der Wirksamkeit.
Interessante gesundheitspsychologische Angebote aus Deutschland und den USA
Es tut sich etwas bei der Anwendung gesundheitsund motivationspsychologischer Methoden durch die Krankenversicherungen. Das zeigen erste viel versprechende Angebote, die nicht nur auf Information und Aufklärung setzen, z.B. in Form von Broschüren, sondern die die Menschen direkt ansprechen und zum Mitmachen motivieren. Dabei werden verschiedene Medien eingesetzt, einige Programme gibt es nicht nur in Schriftform, sondern auch in interaktiver Form im Internet. Julia Scharnhorst stellt in ihrem Beitrag herausragende Beispiele aus Deutschland und den USA vor, die sich in ganzheitlicher Form mit den Bereichen Ernährung und Bewegung beschäftigen.
Ein Begriff aus der Messtechnik wird für ABO-Psychologen interessant
Bei der Durchführung von Assessment Centern (AC) kann eine interdisziplinäre Anleihe bei der physikalischen Messtechnik genommen und dadurch eine höhere Qualität erreicht werden. Antonia Weise widmet sich in ihrem Beitrag der Einführung des Begriffs Messunsicherheit und ihrer Quantifizierung. Das Konzept der Messunsicherheit bei der Datenauswertung wird dazu auf die Psychologie übertragen. Bedeutende Merkmale von Personen oder Alternativen in Analogie zu physikalischen Messgrößen werden betrachtet. Weise stellt ein Verfahren vor, das mittels EDV praxisnah einer raschen Erfassung und gewichtigen Auswertung der beobachteten Daten eines aktuellen AC dient. Dabei wird für jeden einzelnen Teilnehmer die Unsicherheit zu den Ergebnissen ermittelt und das Risiko einer zu treffenden Entscheidung zum Ausdruck gebracht. Die Messunsicherheit liefert laut Weise neue Validitätsmaße.
Unternehmens-Erfolg durch neuartiges Führungsverhalten
Für ein neues Führungsverhalten im wirtschaftlichen und politischen Bereich plädiert Artur Kruck, Präsident der Privatuniversität für das Europäische Management. Er empfiehlt die Entwicklung von Management-Entwicklungsprogrammen. Führung wird dabei nicht nur als »Führen von Menschen zu einem Ziel« verstanden, sondern primär als »Zielbestimmung« vor dem Hintergrund einer Wertediskussion. Kruck untersucht auch die Rolle von internationalen Organisationen bei der Bewusstseinsbildung von herausragenden »Leadern« und entwirft ein Leitbild zur Entwicklung von Führungskräften im Sinne des Aufrufs von Bill Clinton »Wir müssen endlich zu unserem menschlichen Wesen finden!« Im neuen Jahrtausend sollte sich nach Krucks Auffassung die Psychologie mehr auf das Soll- als das Ist-Verhalten konzentrieren. Reales Verhalten werde dabei mehr als »Zwischenstadium zum gewünschten Verhalten« interpretiert.
Den Barrieren für solidarisches Verhalten auf der Spur
Um das Spannungsfeld des motivationalen Variablennetzes zwischen Eigeninteresse und Gemeinwohl geht es bei dem Beitrag von Claudia Gerhardt und Leo Montada. An einer Fragebogenuntersuchung zur Verzichtsbereitschaft von vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern zugunsten der Schaffung neuer Arbeitsplätze in Deutschland zeigen sie die demotivierende Wirkung des antizipierten Trittbrettfahrens auf. Bei der Aktion, die sowohl online als auch in der klassischen Papier- und Bleistift-Version durchgeführt wurde, richtete sich das Forschungsinteresse auf mögliche Barrieren gegen gemeinsinniges Handeln. Gerhardt und Montada sind solchen Barrieren auf die Spur gekommen. Ihre Ergebnisse dürften nicht nur Psychologen, sondern auch Politiker interessieren.
Erhöhte internationale Präsenz deutschsprachiger Forschung
Mit der internationalen Präsenz deutschsprachiger psychologischer Forschung geht es, betrachtet man die vergangenen 20 Jahre, bergauf. Zur Ermittlung und empirischen Unterfütterung für die lebhafte Debatte um dieses Thema wird beginnend mit dem Jahr 1999 von ZPID die Internationalität und Internationalisierung der deutschsprachigen Psychologie in jährlichem Abstand erfasst und dokumentiert. Das dafür entwickelte Instrument, den ZPID-Monitor, stellt Prof. Dr. Günter Krampen in seinem Beitrag vor. Es wird deutlich, dass Ende der 90er-Jahre eine Abschwächung der Präsenz zu verzeichnen ist, ab 2000 sogar eine rückläufige Tendenz.
Neue Informationsdienste helfen bei Recherchen
Die Fachinformationslandschaft ist im Umbruch. Derzeit fördern das Bundesministerium für Forschung und Bildung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Programms »Digitale Bibliothek« eine Reihe innovativer Projekte.
Fachinformationszentren und Bibliotheken realisieren zusammen mit Verlagen neue kooperative internetbasierte Zugänge zu Fachinformation für Wissenschaft und Praxis. Für die Psychologie beteiligen sich das Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) und die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek mit der »Virtuellen Fachbibliothek Psychologie « an diesen Initiativen. Alle neuen Angebote ermöglichen interdisziplinäre Recherchen in unterschiedlichen Kombinationen von Fachdatenbanken, und alle bieten die direkte Anbindung von elektronischen Fachzeitschriftenaufsätzen und Dokumentlieferdiensten wie etwa subito. In seinem Beitrag stellt Bernd Preuss die wichtigsten neuen Informationsdienste in einer vergleichenden Übersicht mit ihren spezifischen Vorteilen für Wissenschaft und Praxis vor.
Kostenreduzierung kann teuer werden
Gisela Finke und Heinrich Kleylein haben sich mit den Sozialdaten von über 700 Patienten in stationärer Psychotherapie einer Münchner Klinik befasst. Im Vergleich zum statistischen Landesdurchschnitt weisen die Patienten einen stark erhöhten Anteil von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern auf. Die Situation hat sich im Verlauf der vergangenen Jahre verschärft. Die Verweildauer der Patienten wurde im Untersuchungszeitraum auch auf Druck der KV drastisch reduziert. Die Wiederaufnahmequote ist deutlich angestiegen. Kürzere Behandlungszeiten reichen oft nicht zur psychischen Stabilisierung aus. Zwischen Klinikaufenthalten werden Patienten immer häufiger in anderen Versorgungseinrichtungen des sozialen Netzes »geparkt«. So sinken zwar die Kosten pro Behandlungseinheit, jedoch keineswegs die Gesamtkosten der Erkrankung.
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