Der 
Verband
Politik
Publikationen
Profession

Presse
  Pressemitteilungen
  Expertenvermittlung
  Report Psychologie
  Publikationen
Termine

Mitgliedschaft
Mitgliederbereich
Stellenbörse
Praktikumsbörse

Sektionen
Landesgruppen
BV Studierende
BV Studierende

Psychologenakademie
Verlag
Wirtschaftsdienst
Haus der Psychologie
Akademie




    Facebook Twitter
XING LinkedIn
      Kontakt
      Impressum
      Datenschutz
      Sitemap




Informationsdienst Psychologie - IDP 2/2003

Von Preisen, Preisträgern und starkem sozialem Engagement

Hildegard Gottlob geht auf in ihrer Arbeit für die Georg-Gottlob-Stiftung

Die Georg-Gottlob-Stiftung ehrt beim Deutschen Psychologentag in Bonn Prof. Dr. Ursula Lehr mit dem Großen Georg-Gottlob-Preis. Welche Hoffnungen und Erwartungen verbinden Sie als Stifterin mit der Auszeichnung einer Wissenschaftlerin, die sich in den vergangenen Jahren vor allem der Gerontopsychologie zugewandt hat?

Es wird zunächst eine große Wissenschaftlerin für ihr Lebenswerk geehrt. Hierdurch soll wiederum die Kraft des Guten zum Ausdruck kommen. Mit der Verleihung des Großen Georg- Gottlob-Preises für angewandte Psychologie sollen Öffentlichkeit und Politik auf das aufmerksam gemacht werden, was Frau Lehr uns vermittelt: Dass es allerhöchste Zeit ist, das Thema »Altern« anzupacken, denn im Jahr 2030 wird jeder 3. Bürger in der Bundesrepublik Deutschland über 60 Jahre alt sein. Dies ist nicht nur ein ökonomisches Problem, sondern vor allem ein soziales. Auch der ältere Mensch will noch gebraucht werden, soll er nicht einen sozialen Tod lange vor seinem biologischen Tod sterben müssen. Dies ist ein großes, von Frau Lehr eindringlich geschildertes Problem, dem aber noch viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Grundsätzlich sollen alle psychischen Kräfte, über die der Mensch gebietet bzw. die er zu mobilisieren vermag, in positivem Sinne für sich selbst und für andere eingesetzt werden, damit soll die Kraft des Guten gelebt und vervielfacht werden zu unser aller Wohl, denn alt wollen wir zwar alle nicht sein, aber alt wollen wir alle werden. Dem gilt es Beachtung zu schenken, und wer wäre hierfür besser prädestiniert als die Psychologen, die das Innere der Menschen kennen und erforschen. Hierauf will der Große Georg-Gottlob-Preis aufmerksam machen, aber dies erfordert nicht nur einen oder mehrere Berichte in Report Psychologie, sondern die Notwendigkeit, dass die Medien (Presse, Rundfunk und Fernsehen) dies Thema großflächig aufgreifen. Die Verleihung des Großen Georg-Gottlob-Preises an Frau Lehr ist hierfür eine wunderbare Starthilfe, diese Chance sollte nicht versäumt werden.

Während mit dem Großen Georg-Gottlob-Preis – wie Sie selbst formuliert haben – ein Lebenswerk gewürdigt wird, sind die Georg-Gottlob-Studienpreise ein Stück Ermutigung für junge Psychologen. Wie war in diesem Jahr das Echo auf die Ausschreibung, wie viele Bewerbungen gab es?

Die Preise sind aus Stiftungssicht nicht nur ein Stück Ermutigung, sondern auch wiederum ein Handeln im Sinne der Kraft des Guten. In den zu prämierenden Diplom- Arbeiten müssen die positiven Aspekte des menschlichen Denkens und Handelns und deren Anwendung im Vordergrund stehen. Es gab 61 Bewerbungen um den Georg-Gottlob-Studienpreis. Die eingereichten Arbeiten wurden von allen Jurymitgliedern gelesen und bewertet, wobei eine große Übereinstimmung zwischen den Jurymitgliedern herrschte.

Wie viele sind in die engere Wahl gekommen und werden Gelegenheit haben, ihre Arbeiten beim Psychologentag zu präsentieren?

Ein Teil der nach der Beurteilung der Jury verbliebenen Bewerber wurde persönlich kontaktiert. Danach fand eine Telefonkonferenz der Jury statt. Hierbei wurde festgelegt, dass acht Bewerber mit insgesamt sieben Arbeiten als Favoriten gelten und zum Deutschen Psychologentag nach Bonn eingeladen werden, um dort ihre Arbeiten und Ziele der Gesamtjury und einem interessierten Fachpublikum vorzustellen. Die Jury entscheidet danach in einer Klausursitzung, wer letztlich Preisträger sein wird. Der Georg-Gottlob-Studienpreis ist mit 10.000 Euro dotiert, soll aber auf bis zu 4 oder 5 Preisträger aufgeteilt werden.

Gibt es darunter Arbeiten, die vorbehaltlich der Entscheidung der Jury aus Ihrer Sicht dem Anliegen der Stiftung besonders entsprechen?

Eigentlich alle, die eingeladen werden, entsprechen der »Kraft des Guten«, aber die Jury muss letztlich die Preisträger küren, eine Entscheidung, die unter Umständen nicht leicht fallen wird.

Die Gottlob-Stiftung wurde 1989 gegründet. Was wurde in dieser Zeit erreicht?

Wir konnten mehreren körperbehinderten und chronisch kranken Studenten durch Stipendien helfen. Gerade erst sind wieder drei von der Georg-Gottlob-Stiftung geförderte Studenten mit dem Studium fertig geworden, aller Körperbehinderung zum Trotz. Wir unterstützen außerdem das Georg-Gottlob-Buschkrankenhaus in Gambia (Träger ist die Projekthilfe 3. Welt e.V.), einen großen medizinischen Komplex. Für das zu diesem Komplex gehörende Georg-Gottlob-Haus, bestehend aus einer Säuglings- und einer Entbindungsstation, zahlt die Georg-Gottlob-Stiftung die Kosten des Pflegepersonals. Hierfür genügen 10.000 Euro im Jahr.

Für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit im sozialen Bereich wurden Sie im vergangenen Jahr von Bundespräsident Rau mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Damit wurde auch das Engagement für MS-Patienten gewürdigt.

Die Georg-Gottlob-Stiftung leistet aktive MS-Hilfe durch Betreuung der MS-Betroffenen im Georg- Gottlob-Haus der Arbeiterwohlfahrt Essen. Hier konnten gerade erst wieder 3 Wohnungen (Betreutes Wohnen) an MS-Betroffene vergeben werden, die dringend der Pflege und der Betreuung bedürfen. Das Georg-Gottlob-Haus in Essen dürfte das einzige Haus sein, in dem die Betroffenen alle Pflegestufen erhalten können, bei selbstständigem Wohnen in eigenen abgeschlossenen Wohnungen. Es erfolgt keine Verlegung in andere, evtl. zweifach belegte Zimmer, wenn die höchste Pflegestufe erforderlich wird. Auch dann werden die Bewohner von unserem Pflegedienst im Georg-Gottlob-Haus in der eigenen Wohnung rund um die Uhr versorgt.
Daneben leistet die Georg-Gottlob-Stiftung im Rahmen der aktiven MS-Hilfe Beratungen bei allen Problemen, die aus der Behinderung erwachsen und unterhält die notwendigen Kontakte für die Betroffenen zu Behörden, Krankenkassen, amtlichen Stellen, Ärzten und Pflegediensten.
Zusätzlich werden ergänzende naturheilkundliche Therapien geleistet, mit denen die schweren mit der Krankheit Multiple Sklerose einhergehenden Symptome gelindert werden können, ohne dass die MS-Betroffenen hierfür etwas zu zahlen hätten. Hierbei geht es oft auch um die Bewältigung psychosozialer Probleme.
Die Arbeit für die Georg-Gottlob-Stiftung, die ich sowohl als Heilpraktikerin als auch als Geschäftsführerin bis zu 72 Stunden in der Woche leiste, ist Inhalt meines Lebens geworden.

Über welche Summen reden wir, wenn wir die verschiedenen Aktivitäten der Stiftung ansprechen?

In 2002 wurden von der Georg-Gottlob-Stiftung 137.977,77 Euro für den Stiftungszweck aufgewendet, davon 22.291,60 Euro für Stipendien, 10.458,60 Euro für die oben beschriebene Projekthilfe 3. Welt, 722,50 Euro für die Teilnahme an Kongressen (Bundesverband Deutscher Stiftungen), 1.289,78 Euro für Grabpflege und die Pflege des Andenkens an Georg Gottlob, meinen Sohn, und 108,53 Euro für Unkosten aus Vermögensverwaltung.
Im Rahmen der aktiven MS-Hilfe müssen praktisch nur meine Mitarbeiterin auf Honorarbasis und die bei den Betroffenen eingesetzten naturheilkundlichen Arzneimittel bezahlt werden sowie ein paar Praxisunkosten, wie Wasser, Strom, Miete und Telefon. Meine Arbeit ist kostenlos.
Die zur Verfügung stehenden Mittel stammen aus den Erträgen der von mir in die Stiftung eingebrachten Vermögenswerte – fast mein gesamtes Vermögen.

Das Gespräch führte Christa Schaffmann

Aus: Report Psychologie, 7-8/2003

[ Diesen Text als Word-Dokument ]
[ Übersicht ]