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Informationsdienst Psychologie - IDP 3/2005

Langzeitwirkungen internationaler Jugendbegegnungen

Psychologen der Universität Regensburghaben in einer mehrjährigen Untersuchung in Kooperation mit Austauschorganisationen die Auswirkungen von ein- bis dreiwöchigen Auslandsaufenthalten auf die Persönlichkeitsentwicklung untersucht. Die Ergebnisse werden Heike Abt und Celine Chang beim Psychologenkongress in Potsdam präsentieren. Der wissenschaftliche Leiter der Studie, Prof. Dr. Alexander Thomas, betonte gegenüber „Report Psychologie“ die Anforderungen, vor  denen die Jugend in Folge der Globalisierung in den kommenden Jahren  stehen wird. Auslandspraktika und Auslandsstudium, so Thomas, werden immer häufiger  zur Voraussetzung für den erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben. Die  Zusammenarbeit in internationalen Teams gehöre in vielen Bereichen der Wirtschaft zum Arbeitsalltag. „Der Dialog der Kulturen braucht dialogfähige Menschen, wenn  daraus am Ende nicht doch ein Kampf der Kulturen werden soll“, betonte Thomas.  Unter diesen Bedingungen seien internationale Jugendbegegnungen ein wichtiges  Element des Bildungsauftrags. Austauschprogramme sollten deshalb weiterhin gefördert und einer größeren Gruppe von Jugendlichen zugänglich gemacht werden.

Langzeitwirkungen auf vielen Gebieten

Durch die Befragung mehrerer hundert Teilnehmer ca. 10 Jahre nach der Austauscherfahrung konnten positive Wirkungen auf verschiedenen Gebieten festgestellt werden. Sie betrafen u.a.

  • selbstbezogene Eigenschaften (Teilnehmer trauten sich nach dem Austausch mehr zu, eigene Grenzen wurden gesprengt)
  • Offenheit, Flexibilität, Gelassenheit
  • Selbsterkenntnisse, Selbstbild (man lernt, sich selbst besser einzuschätzen)
  • Soziale Kompetenz, insbes. Team- und Konfliktfähigkeit
  • Interkulturelles Lernen (Perspektive des anderen übernhemen, vertieftess Wissen über eigene und Fremdkultur)
  • Fremdsprachenkompetenz
  • Umgang mit der eigenen kulturellen Identität (Auseinandersetzung mit dem eigenen Deutsch-Sein und dessen Vor- und Nachteilen)
  • Studien- und Berufswahl
  • Beziehungen zum Gastland, zu anderen Kulturen

Rolf Witte von der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (BKJ) lobte gegenüber „Report Psychologie“ vor allem die Tatsache, dass die Studie mit Praktikern und nicht über sie entwickelt worden ist. Für die BKJ und die anderen Austauschorganisationen ist das Fazit der Studie, wonach der weitaus größte Teil der Teilnehmer ungemein von internationalen Erfahrung profitiert, sowohl was die eigene Persönlichkeitsentwicklung betrifft, als auch in Bezug auf die eigene aktive Rolle in der Gesellschaft, von unschätzbarem Wert. In einer ersten Stellungnahme der BKJ heißt es. „Daraus lässt sich aus unserer Sicht auf jeden Fall der Schluss ziehen, dass die öffentliche Förderung solcher Begegnungsmaßnahmen auf allen politischen Ebenen, von den Jugendämtern der Kommunen, über die Jugendbehörden der Bundesländer, das Bundesjugendministerium bis hin zur Europäischen Kommission, nicht als milde Gabe für nette Freizeitbeschäftigungen der jungen Generationen betrachtet werden dürfen, sondern vielmehr als wichtige und unverzichtbare Investition in die Zukunftsfähigkeit dieser jungen Leute. Das Aufwachsen in einer interkulturell geprägten Gesellschaft, in immer mehr international geprägten Lebensumständen auch im Alltag zu Hause, lässt sich schlecht durch theoretischen Unterricht erlernen: hier braucht es vielfältige auch Kurzzeit-Begegnungsangebote für Jugendliche, die ihnen die Chance geben, 'am eigenen Leib zu erleben' wie spannend und bereichernd die Begegnung mit 'dem Fremden' sein kann.“

Förderung einer Elite? Instrumentalisiert durch die Wirtschaft?

Über 80% der Befragten waren Abiturienten. Sie sind überproportional an Austauschprogrammen beteiligt. In der weiteren Diskussion über die Ergebnisse und mögliche Konsequenzen der Studie wird die Frage zu stellen sein, ob diese Förderung von Elite gewollt ist, in Kauf genommen wird oder man bewusst gegensteuern müsste. Austauschorganisationen befürchten außerdem, dass Jugendaustausch von der Wirtschaft als wichtigem Sponsor instrumentalisiert wird, Programme also zielgerichtet junge Leute auf Bedürfnisse der Konzerne trimmen sollen.

Samstag, 12.11.2005
R 0 246 Anna Freud
10.00 Uhr

 

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