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Informationsdienst Psychologie - IDP 3/2005

Was Kinder und Jugendliche stärkt - Aufwachsen zwischen Risiko und Resilienz

In den Gesundheitswissenschaften hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Es gibt nicht die Dichotomie Krankheit versus Gesundheit, d.h. Kinder und Jugendliche können sich gesund fühlen und dennoch krank sein oder auch gesund sein und sich dennoch krank fühlen. Gesundheit ist ein biopsychosoziales Wohlbefinden, das ständig aktiv hergestellt werden muss. Kinder und Jugendliche unterliegen wie Erwachsene auch permanent physischen, psychosozialen und biochemischen Stressoren und befinden sich damit gesundheitlich gesehen in einem Ungleichgewicht, d.h. um sich wohl zu fühlen, sind sie immerfort bestrebt, Störungen zu bewältigen und ihre innere Balance wieder zu finden. Bei Psychologentag In Potsdam spricht darüber Dr. Heidrun Bündel aus Gütersloh.

Viele Kinder und Jugendliche wachsen heute unter großem Stress und erheblichen Risikobedingungen auf. Die Einflussfaktoren für Gesundheitsschädigung sind vielfältig: Aufwachsen in Armut, Erleben von Umweltkatastrophen, Kriegen und Bedrohungen, Scheidung/Trennung der Eltern, Fehlen von Schulabschlüssen, Mangel an Lehrstellen, Krise des Selbstkonzepts, Anpassungsdruck an eine problematische Peer group etc. Aber auch diese Kinder und Jugendlichen können sich dennoch zu leistungsfähigen und stabilen Persönlichkeiten entwickeln, wenn bestimmte Schutzfaktoren vorliegen. Risiko- und Schutzfaktoren sind zwei Seiten einer Medaille und bedingen sich oft gegenseitig.

Am Beispiel der Suizidalität von Kindern und Jugendlichen soll deutlich gemacht werden, dass es trotz ihres suizidalen Erlebens immer auch noch salutogenetische Tendenzen und damit eine Chance zum Überleben gibt. Im Vordergrund des Vortrags steht die Betrachtung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Spiegel der Salutogenese. Die Frage, was Kinder und Jugendliche stärkt und was sie zur Wiederherstellung ihrer psychischen Gesundheit brauchen, soll mit den Konzepten der Kohärenz und Resilienz beantwortet werden. Beide verdeutlichen, dass es vor allem Schutzfaktoren sind, die Kinder und Jugendliche benötigen und die sie in Familie, Schule und im Freizeitbereich finden können. Schutzfaktoren stärken Kinder und Jugendliche darin, eigene Bewältigungsfähigkeiten und generalisierte Widerstandsressourcen zu entwickeln.

In der pathogenetischen Diagnostik und Therapie stehen die Belastungen, Stressoren, die Probleme und psychischen Beeinträchtigungen im Vordergrund, in der salutogenetischen Diagnostik und Therapie dagegen die personalen und sozialen Ressourcen von Kindern und Jugendlichen, die gestärkt werden sollen. Es gilt, ihr jeweiliges Ressourcenrepertoire zu erweitern und zu vergrößern. Ressourcen sind nicht selten vorhanden, werden nur von ihnen oft nicht genutzt, daher sollte der Blick von Kindern oder Jugendlichen in Beratung und Therapie auf ihre vorhandenen Ressourcen gelenkt werden, mit dem Ziel, diese zu nutzen.

Donnerstag, 10.11.2005
R 0 231 Walter Jacobson
13.30 Uhr

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