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Informationsdienst Psychologie - IDP 3/2005 Entwicklungsrelevante Lebensbedürfnisse von Kindern zwischen 6 und 14Leitbilder von Erwachsenen nicht immer hilfreich Wenn basale Lebensbedürfnisse anhaltend nicht befriedigt werden können, entwickeln sich emotionale und/oder soziale Störungen und/oder psychosomatische Erkrankungen. Oggi Enderlein berichtet beim Psychologentag in Potsdam über Erfahrungen in Familie, Schule, pädiatrischer Praxis und Erziehungsberatung, sowie aus verschiedenen Studien zu Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern zwischen Kleinkindalter und Pubertät. Danach geht es einer besorgniserregenden Zahl von Kindern in diesem Alter sozial, emotional oder körperlich nicht besonders gut; Verhaltens- und Entwicklungsstörungen, psychosomatische und organische Auffälligkeiten nehmen zu. Die Interventionsstrategien der verantwortlichen Erwachsenen sind häufig auf Teilsymptome fokussiert und orientieren sich meistens an professionellen Leitbildern der Erwachsenen: Konzentrationstraining oder autogenes Training soll Kindern helfen sich ruhiger zu verhalten und bessere Schulleistungen zu bringen, Nachhilfeunterricht soll Teilleistungsstörungen korrigieren oder fachspezifische Mängel beheben, Ergotherapie soll motorische Defizite oder mangelnde Selbst-Kontrolle angehen, Krankengymnastik Haltungsschäden vorbeugen, Diäten und spezielle Unterrichts- und Bewegungsprogramme Adipositas bekämpfen, Pillen Hyperaktivität bremsen, Psychotherapien „deviantes“ Verhalten behandeln und so weiter. Auch werden Kinder in dieser Altersstufe vor allem in ihren segmentierten Rollen als Schüler, Konsumenten, Kunden, Klienten oder Patienten gesehen, und der Umgang mit ihnen orientiert sich dann in der Regel an den entsprechenden – oft durchaus berechtigten - Anliegen der Erwachsenen: Was müssen Schülerinnen und Schüler wissen, um bestimmten Bildungs-Standards zu genügen? Auf welche Konsumgüter und Medienangebote sprechen Kids an? Wie verhindert man Adipositas im Kindesalter damit die Kosten der Krankenversicherer in Zukunft kalkulierbar bleiben? Welche Medikamente helfen gegen Zappeligkeit, Allergien oder Einschlafstörungen? Wie kann man aggressiven Kindern Strategien zur Selbstkontrolle vermitteln, wie Kommunikationsstörungen oder Tabus in Familien aufbrechen? Eine Sicht, in der das Kind im Alter zwischen etwa 6 und 14 Jahren als ganze Person gesehen wird, die in einer entscheidenden Phase seiner gesamten Persönlichkeitsentwicklung steht, wird zwar am ehesten von Psychologinnen und Psychologen erkannt und im Umgang mit den Kindern angemahnt, aber die Erfahrung in der Arbeit als Supervisorin für Eltern, Lehrer, Erzieher und Psychotherapeuten und die Zusammenarbeit mit Fachleuten aus unterschiedlichen Forschungsbereichen bestätigt immer wieder, dass eine globalere Sicht auf diese Entwicklungsstufe die Ausnahme ist und die Belange der Kinder selbst in Forschung und Praxis eher selten thematisiert werden. Vor allem die Frage, ob Kinder im Alter zwischen etwa 6 und 14 Jahren ganz spezielle alterstypische Lebensbedürfnisse haben, welche Rolle diese speziellen Bedürfnisse für eine gesunde emotionale, soziale und körperliche Entwicklung spielen, und ob Kinder in unserer Gesellschaft ausreichend Gelegenheit haben, sie befriedigen zu können, wird bis heute zumindest in Deutschland kaum gestellt. Die Alarm-Signale der Kinder sollten aber Anlass genug sein, sich fachlich und öffentlich intensiver mit diesen Themen zu befassen. Der Beitrag wird versuchen, zunächst anhand von Daten aus der Kindheitsforschung einen Eindruck zu vermitteln, wie sich die „großen Kinder“ in unserer Gesellschaft fühlen. Mit weiteren Daten aus Studien verschiedener Fachrichtungen und basierend auf praktischen Erfahrungen soll dann ein Bild gewonnen werden, was Kinder in dieser Altersstufe brauchen, um sich gesund zu entwickeln, um welche altersspezifischen Lebensbedürfnisse es gehen könnte, und wie sich die Befriedigung bzw. Missachtung dieser Lebensbedürfnisse möglicherweise auf die spätere Entwicklung auswirken. Schließlich soll überlegt werden, welche Konsequenzen daraus gezogen werden müssen. Donnerstag, 10.11.2005 [ Übersicht ] |
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