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Informationsdienst Psychologie - IDP 3/2005 Mediation an SchulenIn den Vergangenen Jahren gab es in den Schulen eine große Nachfrage nach Fortbildungen in Mediation. Entscheidend für einen nachhaltigen Erfolg erscheint jedoch, dass deren Grundgedanken fest im System Schule etabliert werden. Um das Mediationskonzept und die dafür erforderliche Grundhaltung stabil zu verankert, ist ein Weg über einige Jahre notwendig. Denn Lehrkräfte haben durch ihre Berufsrolle eher gelernt, schnell zu reagieren, den Schuldigen gleich auszudeuten und die entsprechende Lösung unmittelbar parat zu haben. Es macht also wenig Sinn, wenn sich eine Schule nur einen externen Trainer organisiert und ein paar Schüler zu Mediatoren ausbildet. Denn die Schüler und Schülerinnen brauchen eine in Mediation erfahrene Lehrkraft, die sie über die nächsten Jahre auch begleitet. Im Gegensatz zu kurzlebigen Mediationsprojekten, die nur der Imageverbesserung dienen, hat das Projekt „Konfliktbearbeitung und Gewaltprävention“ im Hessischen Landesinstitut für Pädagogik (HeLP) – jetzt angesiedelt im Amt für Lehrerbildung (AfL) - ein Modellprojekt entwickelt, das auf den Projekterfahrungen des Jugendbildungswerks (JBW) Offenbach aufbaut und seit dem Schuljahr 1997/98 realisiert wird. Im Frühjahr 2005 sind knapp 200 hessische Schulen an dem Projekt beteiligt. Helmolt Rademacher informiert darüber beim Psychologenkongress in Potsdam. Der erste Schritt bei der Realisierung des Projekts ist die Verbreitung des Mediationsgedankens in Schulen und ihrem Umfeld, und zwar bei den Schulleiterinnen, Schulleitern und Lehrerkräften, den Schulpsychologen und den Mitarbeitern der Schulämter sowie der Lehreraus- und -fortbildung, weiterhin bei Eltern und Sozialarbeitern. Das Projekt geht davon aus, dass Mediation nicht isoliert seine Wirkung entfalten kann, sondern nur in einem Zusammenspiel unterschiedlicher Personen, die in und mit Schulen wirken. Die Information über Mediation erfolgt in den Schulen unterschiedlichster Schulformen (Grundschulen, Sekundarschulen und Oberstufen- bzw. Berufsschulen) meist bei Pädagogischen Konferenzen oder Tagen. Der verändernde Charakter von Mediation im Sinne der Etablierung einer neuen Konfliktkultur kommt erst dann zum Tragen, wenn eine qualifizierte Mehrheit im System Schule den Mediationsgedanken mitträgt. Um dies zu erreichen, wurden im Rahmen des Projektes verschiedene Bausteine entwickelt, die vom Basistraining bis zur Einrichtung einer Schüler-Mediatoren-Gruppe reichen. Das Basistraining dient dazu, ein Grundverständnis von Mediation und konstruktiver Konfliktbearbeitung zu vermitteln, und ist eine wichtige Grundlage dafür, dass ein anderer Umgang mit Konflikten im Alltag der Schule möglich wird. In der Regel umfasst ein Basistraining zwei Kompakttage und 4 Nachmittage über ein halbes Schuljahr verteilt. Die Finanzierung von freiberuflichen Trainern erfolgt durch Eigenbeiträge der Lehrkräfte. Ein Basistraining kommt erst zustande, wenn ein vorläufiger Beschluss der zuständigen Konferenz vorliegt, wenn die Schulleitung ihre Unterstützung signalisiert und wenn mindestens 10 Lehrkräfte aus einem Kollegium bereit sind, daran teilzunehmen. Erst eine relativ große Gruppe ist in der Lage, den Mediationsgedanken ins gesamte Kollegium zu tragen; bei der Übernahme eines finanziellen Beitrags wächst die Verbindlichkeit der Teilnahme. Am Ende des Basistrainings entscheiden die Beteiligten ob bzw. wie die Weiterarbeit mit den Schülern erfolgt. Für ein Mediationsprojekt müssen Fragen des Raums, der Zeit (Streit-Schlichtung während des Unterrichts?) und der Unterstützung durch die Lehrkräfte geklärt werden. Es ist wichtig, die verschiedenen Aktivitäten der Mediatorengruppe immer wieder in das Lehrerkollegium zurück zu vermitteln, damit dort die Akzeptanz und Unterstützung wächst. Die verschiedenen Schritte benötigen einen Zeitrahmen von mindestens 3 bis 5 Jahren, je nachdem wie groß die Akzeptanz in der Schule ist. Die Praxis zeigt, dass es immer wieder Einbrüche und Widerstände gibt, die den Prozess der Installation von Mediation an einer Schule behindern. Insbesondere regt sich Widerspruch bei der Frage, welche Konflikte von Schülerinnen und Schülern gelöst werden sollen, bedeutet doch Schüler-Mediation einen realen Machtverlust der Lehrkräfte, auch wenn dem ein Gewinn durch Entlastung gegenübersteht. Eine informelle interne Evaluation zeigt, dass die Teilnahme an einem Basistraining einen Diskussionsprozess in Gang setzt, der die Beteiligten sensibilisiert und in einen ersten Schritt hin zu einer konstruktiven Konfliktkultur führt. Freitag, 11.11.2005 [ Übersicht ] |
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