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Informationsdienst Psychologie - IDP 3/2005 Sind Unternehmer eine aussterbende Spezies in Deutschland?Die Analyse der Gründungsaktivitäten in Deutschland – beim Deutschen Psychologentag in Potsdam vorgestellt von Gerhard Raab & Helge Poesthorst - ergibt, dass Deutschland diesbezüglich weltweit im unteren Drittel liegt. Viele Deutsche möchten das Risiko einer Unternehmensgründung nicht auf sich nehmen und bevorzugen stattdessen eine abhängige Beschäftigung. Im Jahr 2003 strebten in Deutschland nur 3,5% aller Erwachsenen eine Unternehmensgründung an, was Deutschland den 17. Rang unter mehr als dreißig untersuchten Ländern zuweist. Damit liegt Deutschland signifikant unter der Quote der USA und anderen europäischen Ländern. Hinzu kommt, dass in Deutschland vor allem der Anteil an Gründern steigt, die sich mangels anderer beruflicher Alternativen für die Selbständigkeit entscheiden (Necessity-Gründer). Der Anteil an Opportunity-Gründern, d.h. den Gründern, die Weg in die berufliche Selbständigkeit trotz anderer beruflicher Alternativen wählen, um bewusst Marktlücken auszunutzen, ist relativ gering. Zusammengenommen lassen sich damit nur 7% der werdenden Unternehmer in Deutschland einem wachstumsstarken Sektor zurechnen. Vor allem diesem kommt jedoch eine große wirtschaftspolitische Bedeutung zu, da Unternehmer, die ihre Ideen in innovative Gründungskonzepte umsetzen, eine der zentralen Quellen wirtschaftliche Entwicklung sind. Die Industriestaaten mit den höchsten Gründungsquoten weisen die höchsten Zuwächse beim BIP und die geringsten Arbeitslosenquoten auf. Die kulturellen und sozialen Normen in Deutschland zählen zu den größten Hemmnissen bei der Entwicklung eines Gründungssektors. Vor allem die starke Sicherheitsorientierung, Fehlerintoleranz und Risikoaversion spielen diesbezüglich eine große Rolle. Auch die Vermittlung von gründungsbezogenem Wissen an den Schulen und Hochschulen wird in Deutschland als unzureichend erachtet. Die selbstständigkeitsrelevanten Persönlichkeitsmerkmale der deutschen und amerikanischen Studierenden der Wirtschaftswissenschaften wurden auf Geschlechts- und Ländereffekte hin untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die deutschen Studierenden teamorientierter, die amerikanischen einfühlsamer sind. Länderspezifische Unterschiede bei den Werten für internale Kontrollüberzeugung, Leistungsmotivstärke und emotionale Stabilität sind vor allem bei den weiblichen Studierenden erkennbar. Die weiblichen Studierenden in den USA sind signifikant internal kontrollorientierter, emotional stabiler und weniger leistungsmotiviert als ihre Kommilitoninnen in Deutschland, während sich die männlichen Studierenden beider Länder nicht signifikant voneinander unterscheiden. Bei den Dispositionsmerkmalen emotionale Stabilität, Risikoneigung und Durchsetzungsbereitschaft weisen weibliche Studierende signifikant niedrigere Werte auf als männliche. Nur bei der Kundenorientierung sind sie den männlichen Studierenden tendenziell überlegen. Bei der Ungewissheitstoleranz ist nur bei den amerikanischen Studierenden ein Geschlechtereffekt signifikant. Implikationen dieser Ergebnisse werden diskutiert. Samstag, 12.11.2005 [ Übersicht ] |
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