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Informationsdienst Psychologie - IDP 3/2005 Typisch alt? Typisch jung!Der Abschied vom Alter als zentralem Faktor der Zielgruppenbestimmung 2050 wird die Hälfte der Deutschen älter sein als 48 Jahre und die Alterspyramide Kopf stehen. Diese deutlich veränderte Balance zwischen den unterschiedlichen Altergruppen impliziert, dass wichtige soziale und politische Impulse immer weniger von jüngeren Generationen getätigt werden (können). Diese, allein auf demografischen Niveau, dramatischen Veränderungen werden sich ebenso deutlich auf die Gesellschaft auswirken. Und so ist es essenziell, sich mit den Veränderungen von Lebensgewohnheiten, Verhalten, Einstellungen und Bedürfnissen hinsichtlich verschiedener Altersgruppen auseinander zu setzen. Dies tut Christiane Wenhart beim Deutschen Psychologentag in Potsdam. Marketing- und Werbespezialisten beschäftigen sich aus diesem Grund verstärkt mit der Altersgruppe, die in Zukunft die Mehrheit darstellen wird. Zumeist bleibt es bislang allerdings dabei „Senioren-Units“ zu gründen und v.a. neue Namen für diese zukünftig und eigentlich schon heute wichtige Zielgruppe zu kreieren: „Best Agers”, „50+“, „Silver Generation“, „Fiftyfree“ usw. Trotz aller Bemühungen wird diese Zielgruppe im Werbe- und Marketing-Alltag noch immer sträflich vernachlässigt und bis auf wenige gute Ausnahmen (wie bspw. die TV-Spots von „Iglo“ oder „Uncle Ben|s“) kommen ältere Menschen, d.h. jenseits der Altergruppe der 14- bis 49-Jährigen, allein bei Treppenliften und Prostata-Medikamenten zum Einsatz. Wenharts Beitrag widmet sich der Fragestellung, inwieweit das Alter bzw. die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Altersgruppe – allein aufgrund der Anzahl von Geburtstagen überhaupt noch als differenzierender Faktor zur Zielgruppensegmentierung taugt. Die Ergebnisse basieren auf einer qualitativen Befragung zu Altersstereotypen sowie Erkenntnissen aus dem Trendforschungs-Tool . Was ist typisch jung, typisch erwachsen und typisch alt? Ausgangspunkt der Betrachtungen bilden die im Alltag gebräuchlichen Alterskategorien mit denen Personen hinsichtlich ihres Alters beschrieben werden: jung, erwachsen und alt. Es wird untersucht, welche Stereotype Menschen mit diesen Alterskategorien verbinden und wofür sie stehen. Welche Werte und Lebensweisen werden ihnen zugeordnet und wann ist man überhaupt jung, erwachsen oder alt? Was sind die entsprechenden Ziele, Hoffnungen, Träume, aber auch Ängste und Sorgen? Wie sieht man aus? Und welcher Kategorie ordnet man sich selbst zu? Um diese Fragen beantworten zu können wurden diese Stereotype im Rahmen einer Befragung von 31 Personen verschiedener Altersgruppen im Sommer 2004 erhoben. Natürlich sind Stereotype eine sehr simplifizierte Form der Personenbeschreibung, aber genau dies sollte provoziert werden, schließlich finden Zielgruppenbeschreibungen und projektive Darstellungen von Zielgruppen (wie bspw. in der Werbung) immer auf einem sehr „stereotypen“ Niveau statt. Die Befragungsteilnehmer wurden in einem ausführlichen Fragebogen gebeten, eine Person zu beschreiben, die ihrer Meinung nach jung, erwachsen bzw. alt am besten repräsentiert. Die Fragen deckten dabei unterschiedlichste Bereiche ab, einschließlich Name, Lebenslauf, Hobbies, körperliche Verfassung, Hoffnungen, Träume, Ängste, Ziele, aber auch typische Marken sowie prototypische prominente Vertreter der Zielgruppe. Es zeigt sich, dass den Altersgruppen ganz selbstverständlich übereinstimmende Stereotypen zugeordnet werden:
Das heißt, für uns alle scheint es demnach ganz selbstverständlich, dass Jungsein großartig und begehrlich ist, dass erwachsen sein beginnt, wenn man im „echten Leben” steht (wann immer es so weit sein mag) und dass alt sein unangenehm und gefürchtet ist. Und der Blick in Marketing und Werbung zeigt, dass – bis auf wenige Ausnahmen – genau diese Stereotype bedient werden. Es gibt also eine Vielzahl von Annahmen, die traditionell einer bestimmten Altersgruppe zugeschrieben werden wie z.B.:
Doch beim Abgleich mit der Wirklichkeit (basierend auf den durch Context AnalysisTM ermittelten soziokulturellen Trends) wird schnell klar, dass darauf nicht länger Verlass ist. Typisch jung? Typisch erwachsen? Typisch alt? Fazit Schon heute sagt ein gemeinsames Geburtsjahr wenig über die konkrete Lebenssituation aus. Die Gemeinsamkeit bei allen Unterschieden ist das Jungsein, also das Recht, sich immer neu zu erfinden, das Recht, keiner Norm zu entsprechen. Die einen sind jung durch ihr Alter, die anderen, weil sie ihre Jugend einfach nicht an der Garderobe abgeben wollen und wieder andere leisten sich einfache eine zweite, dritte oder vierte Jugend. Jung leben ist also nicht länger das Monopol der Jugend, was sich auch daran zeigt, dass die wachsende Zahl der „Älteren“ auch immer mehr die klassischen Jugendmärkte wie Musik, Kino oder Mode für sich besetzt. Jugend ist zu einem Allgemeingut geworden, der Unterschied liegt in der Form. Werbung für Jugendliche muss nicht unbedingt schrill und anarchisch sein, denn viele von ihnen sind das selbst nicht. Das bauchfreie „H&M-Shirt“ könnte es auch in einer weniger knapp geschnittenen Variante angeboten werden – für „Mädels“ über 60 (Und dann nicht im hintersten Winkel versteckt, wo es keiner sieht!). Es ist also von größter Notwendigkeit sich von einer klassischen, altersfixierten Zielgruppensegementierung zu verabschieden und stattdessen die Lebenssituationen genau zu untersuchen – insbesondere die der vermeintlich „Alten“ – und deren Herausforderungen und spezifischen Anforderungen. Nur dann lassen sich diese auch exakt adressieren. Denn nur die Menschen können uns sagen, was wichtig ist, nicht allein ihr Alter. Freitag, 11.11.2005 [ Übersicht ] |
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