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30. Mai 2006
Stellungnahme zum Grünbuch "Die psychische Gesundheit der Bevölkerung
verbessern"
Vorbemerkung
Angesichts der steigenden Bedeutung psychischer Aspekte für die Lebensbewältigung
der Bürger in Europa begrüßt der BDP in besonderem Maße
die von Kommission und Rat entwickelten Initiativen zur Förderung psychischer
Gesundheit.
Zu den im Grünbuch unter (8) aufgeführten Fragen möchten
wir wie folgt Stellung nehmen:
Ad 1
Die Ausprägungen psychischer Gesundheit in den nationalen Bevölkerungen
und die Auftretenshäufigkeiten und Schweregrade von psychischen Störungen
sind wesentliche Faktoren für Wohlstand, Lebensqualität und soziale
Gerechtigkeit der europäischen Länder. Insbesondere in den hoch entwickelten
Wirtschaftssystemen mit stark steigender Komplexität der Anforderungen
an den Einzelnen, steigendem Alter und damit erhöhten Morbiditätsrisiken
sowie zunehmender sozialer Isolation ist eine weitere Steigerung des Einflusses
der psychischen Gesundheit in positiver oder negativer Weise auf die genannten
Faktoren zu erwarten. Die Bedeutsamkeit dieser Faktoren wächst allerdings
mit steigendem Wohlstand zukünftig auch in den wirtschaftlich noch schwächeren
Ländern und fordert daher die politischen Entscheidungsträger zu einer
frühzeitigen und nachhaltigen Reaktion auf Gemeinschaftsebene heraus. Insofern
lässt sich aus unserer Sicht feststellen, dass die Förderung psychischer
Gesundheit und Prävention psychischer Störungen nicht nur aktuell
von sehr hoher Bedeutung ist, sondern darüber hinaus eine der wichtigsten
Aufgaben für die zukünftige Entwicklung der Gemeinschaft darstellt.
Ad 2
Eine umfassende Strategie der Europäischen Union zur Förderung psychischer
Gesundheit ist unseres Erachtens eine Entwicklungsaufgabe, die schon mittelfristig,
aber vor allem langfristig mit einem hohen Mehrwert im wirtschaftlichen Bereich
und bei der Lebensqualität einhergeht. Die Prioritätensetzung in Abschnitt
5. ist unseres Erachtens gut dazu geeignet, diesen Mehrwert herbeizuführen.
Dabei ist zu ergänzen, dass die Aspekte Gesundheitsförderung und Prävention
psychischer Erkrankungen mit einem besonderen Schwerpunkt auf besonders benachteiligte
Gruppen
und Kinder und Jugendliche versehen werden sollten. Entsprechend sollte bei
dem vierten Ziel - der Entwicklung eines einschlägigen Informationssystems
- darauf geachtet werden, dass vorgenannte Gruppen mit diesen Systemen erreicht
werden können und sowohl die Sprache als auch die Zugänglichkeit entsprechend
gestaltet werden. Im Hinblick auf die Wissensverbreitung sind weitere Maßnahmen
zur Erhöhung der Reichweite in den Mitgliedstaaten ergänzend zu erwägen,
damit eine Breitenwirkung erzielt werden kann, zum Beispiel durch Printmedien
für sozial benachteiligte oder bildungsferne Gruppen in einer für
sie verständlichen Sprache.
Ad 3
Die Liste der unter 6. aufgeführten Initiativen ist aus unserer Sicht zwar
nicht vollständig, aber grundsätzlich gut geeignet, die in der Fragestellung
aufgeführten Zielsetzungen zu befördern und langfristig auch zu erreichen.
Die Weiterentwicklung der Konzepte und Neuentwicklung effektiver Programme kann
im Rahmen des Dialoges mit den Mitgliedstaaten, der Einrichtung einer Plattform
für psychische Gesundheit und der Schnittstelle im Aufgabenbereich Forschung
und Implementation deutlich besser unterstützt werden, als dies in den
derzeitigen Strukturen gelingt. Der kontinuierliche Austausch dieser Ebenen
im Rahmen von Konsultationsprozessen enthält u.E. viele Potenziale für
eine harmonisierte evidenzbasierte Entwicklung eines Teils der europäischen
Gesundheitspolitik, die unseres Erachtens für die Erreichung der unter
1. genannten Ziele konstitutiv ist.
1. Psychische Gesundheit als Ziel der EU
In der folgenden inhaltlich erweiterten Stellungnahme finden Sie einzelne
Aussagen zu den angesprochenen Maßnahmen und zu möglichen weiteren
Maßnahmen, wie sie im Rahmen des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen
und Psychologen und der multidisziplinären Netzwerke, in denen der BDP
sich für psychische Gesundheit engagiert, aktuell diskutiert werden.
1.1 Für den Weg zu langfristigem Wohlstand
Ein Weg zu langfristigem wirtschaftlichen Wohlstand ist aus humanistischer Sicht
nur sinnvoll, wenn er mit psychischer Gesundheit und Wohlbefinden der Bürger
verbunden ist.
Ein stabiler langfristiger Wohlstand lässt sich wohl nur erreichen, wenn
er auf einer psychisch gesunden Arbeits- und Leistungsfähigkeit seiner
Bürger beruht (und nicht auf erhöhter Arbeitslosigkeit, Kosteneinsparungen
an Arbeitskräften und Aktienspekulationen).
Da deutlicher erkannt ist, wie die Leistungsfähigkeit der Bürger durch
psychische Erkrankungen eindeutig vermindert wird und so auch die Leistungsfähigkeit
von Wirtschaftsorganisationen geschwächt wird, wird ja die Förderung
der psychischen Gesundheit in Europa in den Blick genommen.
1.2 Für Solidarität und soziale Gerechtigkeit
Solidarität heißt für den einzelnen Bürger:
- soziale Integration in Lebens- und Arbeitsgemeinschaften erleben können
- und – als Folge des Erlebens – für soziale Integration
von Mitmenschen handeln können.
Wesentliche Merkmale psychischer Gesundheit sind:
- Solidarität erleben können sowie
- solidarisch handeln wollen und können.
Das persönliche Erleben der Bürger von Solidarität und ihr persönliches
Handeln für Solidarität sind eine wichtige Basis für alle gesellschaftlichen
Formen von Solidarität und sozialer Gerechtigkeit.
1.3 Für deutlich mehr Lebensqualität der Bürger Europas
Bürger erleben Lebensqualität, wenn sie – im Sinne der Menschenrechtsdeklaration
der UNO – ihre Menschenwürde bewusst erleben auf der Grundlage von
(a) Gesundheit und Wohlbefinden, (b) Selbstachtung und Selbstbestimmung, (c)
sozialer Integration in Lebens- und Arbeitsgemeinschaften, (d) Freiheit, (e)
Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, (f) Frieden, (g) Gerechtigkeit
und (h) Sinnerfüllung sowie (i) ihre Pflicht zur Achtung der Menschenrechte
und Menschenwürde anderer Menschen bewusst anerkennen.
Zur Lebensqualität gehört – im Sinne der Menschenrechtsdeklaration
der UNO im Sinne der Gesundheitsdefinition der WHO – ein körperliches,
psychisches und soziales Wohlbefinden.
Ein wesentliches Merkmal psychischer Gesundheit ist, die persönliche Menschenwürde
(mit den o.g. Aspekten), Wohlbefinden und Lebensqualität
- bewusst wahrnehmen, erleben, verstehen zu können sowie
- durch selbstbestimmte Zielsetzungen motiviert, bewusst und gezielt fördern
zu können.
2. Mehrwert einer EU-Strategie für psychische Gesundheit
2.1 Wert einer generellen Förderung der psychischen Gesundheit
"Gesundheit" bzw. "psychische Gesundheit" lässt
sich immer aus zwei Blickperspektiven betrachten: Aus einer positiv definierten
Gesundheitsperspektive, z.B. als "Wohlbefinden" und aus einer Krankheitsperspektive,
z.B. als Belastung durch Störungen.
Menschen beeinflussen – als Bürger, als Fachleute und als Politiker – ihr
gesundheitsbezogenes Denken und Handeln dadurch, dass sie eine der beiden Perspektiven
vorrangig betonen. Leider wird beim Blick auf die psychische Gesundheit aufgrund
der großen Belastungen durch psychische Erkrankungen die Krankheitsperspektive
eindeutig überbetont.
Um die psychische Gesundheit zu verbessern, ist es aus psychologischer Sicht
eindeutig motivierender, zufriedenstellender, leichter und Erfolg versprechender,
positive Ziele zu mehr psychischer Gesundheit anzustreben als psychische Störungen
vermeiden oder beseitigen zu wollen; denn für positive Zielsetzungen organisieren
Menschen ihre Motivationen und Strategien günstiger als für das Vermeiden
von Gefahren und den Abbau von Störungen. Wenn Menschen primär positive
Ziele psychischer Gesundheit anstreben, erzielen sie dadurch als "Nebenwirkungen"
auch eine Prävention und Therapie psychischer Störungen.
Wenn Menschen beispielsweise bewusst ihre Gesundheitsaktivitäten ausdehnen,
bewirken sie Prävention und Therapie depressiver Störungen und Suchtgewohnheiten.
Wenn Menschen bewusster und deutlicher zu ihrem Leben Ja sagen, vermindern sie
Gefährdungen zu depressiven Störungen. Wenn Menschen ihr positives
Körpererleben, Selbstvertrauen, soziales Vertrauen und transzendentes Vertrauen
fördern, überwinden sie eher Ängste.
In der Publikation "Mental Health Promotion und Mental Disorder Prevention" aus
dem EU-Projekt IMPHA ist als erstes von fünf Prinzipien genannt, das Wissen über
psychische Gesundheit zu verbreiten. In der "Europäische Erklärung
zur psychischen Gesundheit – Herausforderungen annehmen, Lösungen
schaffen" (2005) der Europäischen Ministerielle WHO-Konferenz Psychische
Gesundheit ist als erste Aufgabe benannt, das Bewusstsein von der Bedeutung
des psychischen Wohlbefindens zu fördern.
Daher seien, ausgehend von der im Grünbuch genannten WHO-Definition zur
psychischen Gesundheit, nachfolgend zentrale Merkmale und Ziele psychischer
Gesundheit benannt und spezifiziert. Psychische Gesundheit umfasst:
- Psychisches Wohlbefinden (Wellness): Sich selbst als einmalige Person
im Einklang mit der natürlichen, ökonomischen, sozialen und kulturellen
Lebenswelt bewusst positiv erleben können, mit positivem Körpererleben,
Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, Lebenszufriedenheit, mit positiver
Integration in Lebens- und Arbeitsgemeinschaften, in Gemeinden und in der umgebenden
Kultur;
- selbstbestimmte Lebensgestaltung (Fitness): Das eigene Leben in der natürlichen, ökonomischen,
sozialen und kulturellen Lebenswelt bewusst und selbstbestimmt gestalten wollen
und können, dabei an der Gestaltung der natürlichen, ökonomischen,
sozialen und kulturellen Lebenswelt bewusst und selbstbestimmt kooperieren
wollen und können, verbunden mit tiefer Überzeugung zur Menschenwürde
seiner selbst und der Mitmenschen,
- Bewältigungsfähigkeiten
(Coping): Unsicherheiten und Belastungen als Anteile des Lebens in der natürlichen, ökonomischen,
sozialen und kulturellen Lebenswelt bejahen, verstehen und bewältigen
können.
Der BDP plant für das gegenwärtig laufende EMIP-Projekt der EU eine
deutlichere Beantwortung zentraler Fragen zur Förderung psychischer Gesundheit:
- Was sind wesentliche Ziele psychischer Gesundheit?
- Welche Prinzipien sind
zur Förderung psychischer Gesundheit wesentlich?
- Welche Formen evidenzbasierter
Maßnahmen sind dazu entwickelt?
Die
Verbindung einer Förderung psychischer Gesundheit mit präventiven
Absichten wird beispielhaft in einer Vielzahl evidenzbasierter Fördermaßnahmen
für Kinder und Jugendliche deutlich, wie die Bestandsaufnahme "Gesundheitsförderung
durch Lebenskompetenzprogramme in Deutschland" der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung BzgA (2005) aufzeigt. Viele dieser Programme
zielen primär auf die Förderung von Lebenskompetenzen, z.B. Selbstwertgefühl,
positives Körpererleben, Gefühlsfähigkeiten, Selbstreflexion,
Willensklärung, soziale Kommunikations- und Beziehungsfähigkeiten,
Konflikt- und Problemlösungsfähigkeiten, um dadurch präventive
Wirkungen gegenüber Suchtverhalten, Depressionen und Ängsten zu erreichen.
2.2 Wert einer Prävention psychischer Erkrankungen
Wie oben dargestellt, ergeben sich präventive Wirkungen vor allem als Nebenwirkungen
durch das Anstreben positiver Ziele psychischer Gesundheit.
Zur Primärprävention psychischer Störungen hat der Deutsche Bundestag
1975 in der "Enquete zur Lage der Psychiatrie" (Drucksache 7/4200)
wichtige Hinweise gegeben. Damals schon galten die Lebensphasen des Lebensbeginns
(Schwangerschaft, Geburt und postnatale Entwicklung), der Kindheit und Jugendzeit
und des höheren Alters als präventiv bedeutsam, ebenso auch der Bereich
der Arbeit und auch der Bereich von Stadtplanung und Wohnen.
Empfohlen wurden Ausbau und Förderung von:
- Betreuung gefährdeter Kinder,
- Elternschulen und Elterntrainings,
- Kinder- und schulpsychologische Beratungsstellen,
- Beratungsdienste vor allem für Familien, besonders in gefährdeten
Bevölkerungsgruppen,
- Maßnahmen zum Familienschutz,
- Psychohygiene als wichtiger Teil der Erwachsenenbildung,
- psychotherapeutischen und psychiatrischen Diensten mit präventiven
Aufgaben,
- psychisch gesunden und wenig belastenden Arbeitsbedingungen an Arbeitsplätzen
- psychologischer Beratung bei Stadtplanung und größeren Wohnungsbauvorhaben.
2.3 Wert von mehr Lebensqualität psychisch kranker Menschen durch
soziale Integration und Schutz ihrer Menschenwürde
In Europa entfaltete sich in den 70er Jahren im psychiatrischen Bereich eine
von Fachleuten getragene Bewegung zur gemeindenahen Sozialpsychiatrie mit sozial-
und psychotherapeutischen Ansätzen als Alternative zu psychiatrischen Anstalten
mit überwiegend verwahrenden und entmündigenden Wirkungen. Durch diese
Bewegung begann eine bahnbrechende fachliche und gesundheitspolitische Aufmerksamkeit
für die soziale Integration psychisch kranker Menschen und ihre Menschenwürde.
In Deutschland wurden gesundheitspolitisch nach der Verabschiedung der "Enquete
zur Lage der Psychiatrie" (1975) durch das "Modellprogramm Psychiatrie" 1980 – 1985
in verschiedenen Regionen Einrichtungen zur gemeindenahen psychiatrischen und
psychotherapeutischen Versorgung aufgebaut und gefördert, z.B. Beratungsstellen,
Kriseninterventionsdienste, sozialpsychiatrische Dienste, ambulante Einrichtungen
zur psychotherapeutischen und psychiatrischen Versorgung, teilstationäre
Einrichtungen, Einrichtungen betreuten Wohnens usw..
Solche gemeindenahen und sozialpsychiatrischen Ansätze zur psychotherapeutischen
und psychiatrischen Versorgung mit präventiven Aufgaben sollten europaweit
gefördert werden.
2.4 Wert eines Informations-, Forschungs- und Wissenssystems für die
EU
Ein mehrsprachiges Informations-, Forschungs- und Wissenssystem zur psychischen
Gesundheit für die EU ist sehr sinnvoll.
Sinnvoll sind beispielsweise Internet-Datenbanken zu
- positiven Zielsetzungen psychischer Gesundheit
- praktikablen bewährten Fragebogentests
- evidenzbasierte Maßnahmen zur Förderung und Prävention
- öffentlich geförderten Forschungsprojekten
3. Zielbezogene Eignung vorgeschlagener Initiativen zur Förderung der
psychischen Gesundheit der Bevölkerung
3.1 Psychische Gesundheit von Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen
Die psychische Gesundheit in der Kleinkindzeit, Kindheit und Jugendzeit ist
eine Basis für die psychische Gesundheit im Leben als Erwachsener und im
Alter. Diese wichtige psycho-logische Erkenntnis hat sich im letzten Jahrhundert
durchgesetzt. Deshalb ist die Förderung der psychischen Gesundheit von Kleinkindern,
Kindern und Jugendlichen zu Recht als eine primäre Aufgabe genannt. Deshalb
zielten in Deutschland schon die primärpräventiven Anregungen in der "Enquete
zur Lage der Psychiatrie" (s.o.) besonders auf die Förderung psychischer
Gesundheit für Kinder und Jugendliche von Geburt an.
Überblicke über evidenzbasierte Maßnahmen zur Förderung
psychischer Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen, vorwiegend im Setting der
Schule, bieten:
3.1.1 Koordinierung schulpsychologischer Aktivitäten auf europäischer
Ebene
Um die psycho-soziale Versorgung von Kindern und Jugendlichen europaweit zu
verbessern, ist es darüber hinaus sinnvoll, zu einer engeren Zusammenarbeit
der nationalen Vereinigungen von Schulpsychologen zu gelangen.
Bislang existieren nationale Verbände von Schulpsychologen in einzelnen
europäischen Mitgliedstaaten sowie der Internationale Verband der Schulpsychologen
(ISPA). Es fehlt jedoch ein Bindeglied auf europäischer Ebene, das mehrere
Vorteile für die psycho-soziale Versorgung der europäischen Schülerinnen
und Schüler sowie Schulen mit sich bringen kann:
- Die task force "Psychologists in the educational system" der
Europäischen Föderation von Psychologenverbänden (European Federation
of Psychologists' Association, EFPA), ist zu dem Ergebnis gekommen, dass
die Situation der Schulpsychologen in Europa durch einen Europäischen
Verband von Schulpsychologen, welcher sich der Verbesserung der Arbeitsbedingungen
von Schulpsychologen und damit zur qualifizierteren psycho-sozialen Versorgung
von Schülerinnen und Schülern sowie Schulen widmet, beitragen kann.
- Ein europäischer Verband kann die Organisation und Koordination von
Fortbildung
sowie Ausbildung von Schulpsychologen in Europa verbessern, um zu einem gemeinsamen
hohen europäischen Qualifikationsstandard dieser Berufsgruppe beizutragen.
Dies wiederum wird eine Qualitätsgarantie in der Versorgung des "Klientels"
mit sich bringen.
- Ein europäischer Verband kann eine europaweite Datenbank
zur Information und Dokumentation schulpsychologischer Themen aufbauen helfen,
die dazu beiträgt,
angesichts zunehmender Mobilität auf dem europäischen Arbeitsmarkt
schnellere und präzisere psycho-soziale Hilfe für Schülerinnen
und Schüler sowie Schulen europaweit zu finden (Beispiele: Schullaufbahnberatung,
Förderung von Kindern mit besonderen Erziehungsbedürfnissen, Berufsberatung
europaweit).
- Ein europäischer Verband von Schulpsychologen kann effizienter
als nationale Verbände durch zunehmende Mobilität auf dem europäischen
Arbeitsmarkt erwachsene schulpsychologische Ansprüche (z.B. Normierung
von schulpsychologischen Tests für mehrsprachige Kinder oder Kinder verschiedenen
kulturellen Hintergrunds) mit den dafür notwendigen begleitenden wissenschaftlichen
Untersuchungen z.B. an Universitäten koordinieren.
- Ein europäischer Schulpsychologenverband kann mit europäischer
Expertise im Berufsfeld dazu beitragen, einen Konsensus europäischer Erziehung
und Bildung zu entwickeln, der auch auf den ethischen Prinzipien schulpsychologischer
Arbeit basiert, wie z.B. der Charta für Kinderrechte.
- Als Koordinationsstelle eines solchen europäischen Berufsverbandes kann
eine zen-trale europäische Agentur für Schulpsychologie in Brüssel
geschaffen werden.
- Eine solche Koordinationsstelle könnte zugleich als schulpsychologischer
Dienst für die Europäischen Schulen zur Verfügung stehen, die
bereits jetzt eines europäischen Ansatzes in der Schulpsychologie bedürfen
aufgrund ihrer besonderen Struktur, und die gleichzeitig für den europäischen
Verband als "Baustelle" der Anwendung europäischer Schulpsychologie
zur Verfügung stehen könnten.
3.2 Psychische Gesundheit von Familien
Die Qualität von Familienbeziehungen ist eine wichtige Grundlage psychischer
Gesundheit in der Kleinkindzeit und Kindheit; sie ist auch für die psychische
Gesundheit im gesamten Lebenslauf sehr wichtig. Seit den 70er Jahren spielt
im Bereich professioneller sozialer und psychologischer Arbeit, vor allem in
Beratungsstellen, die systemische Perspektive der biologischen oder Wahlfamilienorientierung
eine große Rolle. Denn die Unterstützung partnerschaftlicher und
familiärer Integrationsprozesse wirkt sich in vielen Lebensphasen positiv
auf psychische Gesundheit aus. Daher betrachtet die WHO für die europäische
Zielstrategie "Gesundheit21" Familien als besonders wichtige Zielgruppen
im Feld der Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung.
Von daher sollten Familien zusätzlich als wichtige Zielgruppe zur Förderung
psychischer Gesundheit in der Agenda der EU genannt sein.
Insbesondere ist die Unterstützung von Familien mit besonderen psychischen
und sich psychisch auswirkenden sozialen und körperlichen Belastungen zur
gesellschaftlichen Förderung psychischer Gesundheit wichtig:
- unvollständige Familien, vor allem allein stehende Elternteile
mit Kindern,
- Familien mit schwerwiegenden sozialen Belastungen wie Armut, Wohnungsnot,
Arbeitslosigkeit,
- Familien mit traumatisierten, chronisch erkrankten, psychisch
erkrankten, behinderten, pflegebedürftigen und sterbenden Angehörigen,
- Familien
in der Trauerphase nach dem Verlust von Angehörigen, auch
nach Trennungen und Scheidungen,
- Familien mit Suchtmittel missbrauchenden Angehörigen,
auch wegen der familiären Belastungen durch soziale und psychische Auswirkungen
des Suchtmittelmissbrauches.
3.3 Psychische Gesundheit der Erwerbstätigen
Betriebliche Gesundheitsförderung hat sich seit den 90er Jahren erfreulicherweise
als ein wesentlicher, arbeits- und gesundheitspolitisch geförderter Baustein
zur Gesundheitsförderung von Erwachsenen in Deutschland etabliert.
Im Rahmen des Europäischen Netzwerks für betriebliche Gesundheitsförderung
(ENWHP) besteht auf Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Arbeit (BMWA) seit 2002 das Deutsche Netzwerk für betriebliche Gesundheitsförderung
(DNBGF) (www.dnbgf.org) als übergreifende
nationale Plattform.
Zur Förderung psychischer Gesundheit und Verminderung von Arbeitsausfällen
wegen psychischer Belastungen und Störungen gilt Stressbewältigung
als ein wichtiger Weg.
Für die psychische Gesundheit ist das Erleben positiver Integration in
Arbeitsgemeinschaften bzw. am beruflichen Arbeitsplatz sehr wichtig. Dieser
Bestandteil psychischer Gesundheit erscheint durch wirtschaftliche Umstrukturierungen
besonders bedroht: Angst vor Arbeitslosigkeit, Mobbingbelastungen und tatsächliche
Arbeitslosigkeit nehmen zu, verstärkt auch durch Mangel an sozialen Kompetenzen
und fairen Kommunikationsprozessen insbesondere bei Führungskräften.
Maßnahmen zur Förderung von Kommunikationsfähigkeiten, sozialen
Kompetenzen und eines positiven sozialen Betriebsklimas sollten in der betrieblichen
Gesundheitsförderung ein deutlich stärkeres Gewicht bekommen.
3.4 Psychische Gesundheit älterer Menschen
Die Förderung der psychischen Gesundheit älterer Menschen ist ebenfalls
eine wichtige Zielsetzung europäischer Aktivitäten für die psychische
Gesundheit.
Die gerontopsychologisch erarbeiteten "15 Regeln für ein gesundes Älterwerden" von
Prof. Dr. Andreas Kruse, beim Weltgesundheitstag 1999 zum Thema "Aktiv
leben - gesund alt werden" erstmals vorgestellt (www.who-tag.de/1999regeln.htm)
erläutern wichtige Prinzipien für die psychische Gesundheit im Alter,
insbesondere bewusste Lebensgestaltung mit viel körperlichen, geistigen
und sozialen Aktivitäten sowie mit Bereitschaft zu weiteren Entwicklungen.
Die Entwicklung bewährter Fördermaßnahmen für die psychische
Gesundheit älterer Menschen ist eine wichtige Zukunftsaufgabe.
3.5 Gezielte Maßnahmen für vulnerable Gesellschaftsgruppen:
Die Entwicklung gezielter Maßnahmen für vulnerable Gesellschaftsgruppen
mit niedrigem sozialem und wirtschaftlichem Status, mit Arbeitslosigkeit, mit
Migrationshintergrund, usw. ist eine wichtige Aufgabe zur Förderung psychischer
Gesundheit.
Dabei sind vor allem Maßnahmen zu entwickeln, bei denen ein initiatives
Zugehen zu solchen Gruppen Vorrang hat gegenüber einem Warten, bis Menschen
solcher Gruppen kommen.
4. Zielbezogene Eignung vorgeschlagener Initiativen
zu den weiteren genannten Zielsetzungen
Zu den weiteren genannten Zielsetzungen
- Prävention psychischer Erkrankungen
- Förderung der sozialen
Integration psychisch kranker Menschen
- Verbesserter Informations- und Wissensstand in der EU
werden die genannten Initiativen als angemessen betrachtet und vom BDP unterstützt.
Ergänzende Anregungen des BDP zu diesen Zielsetzungen sind schon oben (2.2 – 2.4)
genannt.
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