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28.03.2008
Stellungnahme zu Normungsvorhaben der EU-Kommission
Stellungnahme des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen
zu KOM (2008) 133 endgültig
Für einen stärkeren Beitrag der Normung zur Innovation in Europa
MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DEN RAT, DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN
EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS
Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen verkennt die Vorteile
der Normung für die Globalisierung der Wirtschaft nicht. Schließlich
sind die selbstregulativen Kräfte der Wirtschaft wirksamer als oktroyierten
Vorgaben.
Wir vermissen bei dieser Vorlage die Bewertung der unterschiedlichen gesellschaftlichen
und kulturellen Vorbedingungen für eine wirksame Normung, die nicht nur
in den Schwellenländern von Bedeutung sind. Wir verstehen auch, dass
die Intentionen der Vorlage möglichst positiv vermarktet werden sollen,
doch eine direkte Verbindung zur Innovation halten wir für übertrieben.
In Hinblick auf die Dienstleistungen der Freien Berufe halten wir eine Normierung
nur in den Basisleistungen für vertretbar. In den Kernkompetenzen müssen
bei den Leistungen der Freien Berufe nach wie vor die individuelle Situation
der Klienten, Mandanten und Patienten unter der individuellen Verantwortung
der Leistungserbringer berücksichtigt werden.
Wir erlauben uns, darauf hinzuweisen, dass wir in der Politik der Europäischen
Gemeinschaften eine gewisse Widersprüchlichkeit zwischen Auflockerung
von berufsständischen Vorgaben und Bestrebungen nach mehr Normung glauben
erkennen zu können.
Im Bezug auf die stärkere Nutzung informeller Normungsprozesse sind Risiken
hinsichtlich des Verlusts an gesellschaftlicher Akzeptanz sorgfältig zu
bedenken. Wie Beispiele zeigen, besteht bei beschleunigten Normungsprozessen
informeller Art das hohe Risiko, dass aufgrund mangelnder Repräsentativität
der eingeladenen interessierten Kreise Inhalte und Reichweite des jeweiligen
Werkes am gesellschaftlichen Bedarf vorbeigehen. Dies geschieht durch Mehrheitsentscheidungen
auf der Basis von Einzelinteressen, zum Beispiel die von kleinen Zertifizierungsfirmen
und Bildungsanbietern.
Der grundsätzliche Charakter der Freiwilligkeit der Anwendung erfordert
jedoch von den Normen, dass sie durch Fachlichkeit überzeugen. Eine solche
Qualität des Regelungsvorschlags entsteht dann, wenn der jeweilige
Bereich bezüglich der relevanten Aspekte vollständig und fachlich
hochwertig in Prozess- bzw. Produktqualitäten erfasst ist. Ein diskursiver
Prozess in einem repräsentativ zusammengesetzten Kreis mit konsensualer
Entscheidung unter Beteiligung der Öffentlichkeit ist eine wesentliche
Voraussetzung für die spätere Akzeptanz einer Norm.
Die Vermischung des Images der formell erarbeiteten hochwertigen Normen mit
schnell entwickelten und nicht tragfähigen Regelwerken unter dem Markendach
der Normungsinstitute kann dem Stellenwert von Normen insgesamt sehr großen
Schaden zufügen. Auf informelle Normungsprozesse sollte daher nur
in Ausnahmefällen zurückgegriffen werden.
Thordis Bethlehem
Diplom-Psychologin
Vizepräsidentin des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen
e.V.
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