![]() |
![]() |
|
|
Pressemitteilungen Infodienst Psychologie Report Psychologie Terminliste |
Pressemitteilung Schnee von gesternBDP kritisiert Äußerungen des Skispringer-Teamarztes Nur wenn's im Kopf stimmt, klappt's mit den Sprüngen, titelt die Ärztezeitung am Donnerstag einen Beitrag über Sven Hannawalds Formtief. Kein Zweifel, die Psyche hat viel mit dem Erfolg zu tun. Deshalb haben im internationalen Maßstab viele Leistungssportler neben Trainer und Arzt noch eine Person an ihrer Seite, die die psychologische Konditionierung und Betreuung übernimmt. Ein Sieg ist immer das Ergebnis sowohl sportlicher Höchstleistung eines Menschen als auch der vorangegangenen Arbeit vieler Fachleute. Skier und Anzüge der Skispringer und analog die Ausrüstung aller anderen Leistungssportler sind inzwischen das Produkt hochprofessioneller und spezialisierter Arbeit. Darauf zu verzichten, fiele dem deutschen Skispringer-Team nicht ein. Nur bei der psychologischen Betreuung nimmt man es mit der Professionalität nicht so genau. Wie sonst ist es zu erklären, dass Teamarzt Dr. Ernst Jakob (Internist und Sportmediziner) sich hinstellen und gegenüber der Ärztezeitung erklären kann, er sehe keinen Bedarf für einen Psychologen im Kader. Die psychologische Vorbereitung auf Wettkämpfe, die Unterstützung bei der Verarbeitung von Niederlagen, Medienrummel und anderen Stressfaktoren übernimmt Jacob, der das Team seit 1985 betreut, mal eben mit. Das ist genauso abwegig, wie wenn ein Psychologe sich an den Knieverletzungen der Springer versuchen würde, weil er darüber schon einiges gelesen und an Erfahrung gewonnen hat. Vielleicht wusste man in der Bundesrepublik 1985, als Jacob die Aufgabe übernahm, noch nicht genug über psychologische Faktoren im Sport. Aber könnte es sein, dass die Wissenschaft seit dem ein paar Erkenntnisse dazu gewonnen und der Leistungssport in der Mediengesellschaft sich verändert hat? Wenn sich Deutschland im Hochleistungssport an einigen Stellen keine personelle Verstärkung durch spezialisierte Dipl.-Psychologen leisten kann, dann ist das traurig. Wenn aber auch noch so getan wird, als sei diese Verstärkung völlig überflüssig, dann ist es ein Skandal. Muss erst ein Skispringer dem Fußballer Sebastian Deißler in eine psychiatrische Klinik folgen, damit die männerdominierte Sportszene bereit ist zuzugeben, dass psychologische Diagnostik und gegebenenfalls Therapie kein Zeichen von Schwäche, sondern sinnvoller und notwendiger Bestandteil der gesundheitlichen Betreuung und zudem ein wichtiger Erfolgsfaktor ist?
|
|