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Pressemitteilung
Nr. 17/05
10. Juli 2005
Deutschland muss sich auf Großschäden psychologisch vorbereiten
Psychologenverband sieht Handlungsbedarf
Der fürchterliche Anschlag in London hat auch nach ein paar Tagen weiter
Auswirkungen auf die Befindlichkeit von Teilen der Bevölkerung in Deutschland.
Ausgelöst durch die Bilderflut der Medien werden Menschen, die früher
schreckliche Dinge gesehen und erlebt haben, nun in für sie überraschender
Weise mit ihren Erinnerungen konfrontiert. Menschen die sensibilisiert sind,
reagieren stärker auf solche Bilder.
Der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) fordert die Medien bei zukünftigen
schrecklichen Schadensereignissen zu einem sehr verantwortungsvollen Umgang
mit den Bildern auf und rät allgemein dem Zuschauer, den Fernseher ab einem
bestimmten Punkt bewusst ab- oder umzuschalten, wenn die schrecklichen Bilder
wiederholt gezeigt werden.
Auch Kinder sind besonders verletzlich. Eltern sollten nach solchen Ereignissen
besonders beim Medienkonsum ihrer Kinder aufmerksam sein. Kinder müssen
vor Großaufnahmen von blutüberströmten, schreienden Erwachsenen,
verzweifelten, um ihr Leben rennenden Menschen geschützt werden. Sie haben
kein dickes Fell, können sich nicht distanzieren und sind auf die Unterstützung
bei der Verarbeitung durch Erwachsene angewiesen. Wenn Kinder Reaktionen von
Verunsicherung zeigen, ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, ausgiebig mit ihnen
zu reden und besser selbst auf andere Aktivitäten zu verzichten, um die
Kinder abends zu Bett zu bringen.
Eine Liste von häufig gestellten Fragen (FAQs) und Antworten zum Umgang
mit Extremereignissen hat der BDP veröffentlicht: www.bdp-verband.org
Die Ereignisse in London verdeutlichen aber auch erneut den Bedarf eines multiprofessionellen
Notfallteams in vernetzten schnell reaktionsfähigen Strukturen des Rettungswesens.
Bei derartigen Großschadensereignissen sind neben ehrenamtlichen Laienhelfern
nicht nur Sanitäter und Ärzte
vor Ort vonnöten, sondern auch Notfallpsychologen, die erster professioneller
Ansprechpartner für Betroffene und Angehörige sowie für die Rettungskräfte
sind. Eine professionelle psychologische Unterstützung der Selbstheilungskräfte
und Strategien bei der Verarbeitung in der ersten Zeit kann die Zahl erforderlicher
Therapien senken.
Nicht jeder Betroffene von Extremereignissen benötigt psychologische
bzw. psychotherapeutische Unterstützung. Je nach Grausamkeit der Bilder
und Intensität des Erlebens ist jedoch mit einem erheblichen Anteil an
Menschen mit psychologischem Unterstützungsbedarf zu rechnen.
Mit Blick auf geplante Großereignisse in Deutschland wie den Weltjugendtag
in Köln und die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr sieht
der BDP Handlungsbedarf zur Einbindung einer notfallpsychologischen Versorgung
in die Worst-Case-Szenarien und Vorsorgeaktivitäten.
Fredi Lang, Referat Fachpoliitik
Glinkastr. 5, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 209 149 57
Christa Schaffmann
Pressesprecherin
Tel. (49) 30 - 209 149 59
E-Mail: f.lang@bdp-verband.org
E-Mail: presse@bdp-verband.org
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