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Pressemitteilung
Nr. 02/06
11. Januar 2006
Fragebogenaktion ist dilettantisch
Psychologen kritisieren baden-württembergische Befragungspraxis bei Einbürgerung
Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) hat die sofortige
Beendigung der Befragung muslimischer Einwanderungswilliger in Baden-Württemberg
mittels eines seit Jahresbeginn eingesetzten Fragenbogens gefordert.
Die Befragungspraxis in Baden-Württemberg ist völlig ungeeignet, Verfassungsfeinde
und potenzielle Terroristen zu ermitteln oder die Integrationsbereitschaft von
Menschen festzustellen. Es fehlen dafür jegliche methodische Voraussetzungen
- z.B einheitliche Vorgaben für die Einleitung des Gesprächs und die
Rahmenbedingungen, das Niveau des Sprachverständnisses usw., ganz zu schweigen
von der erforderlichen Schulung der Fragesteller. Auch die Verwendung von Suggestivfragen
ist abzulehnen. Zudem ist der Kontrollansatz fachlich in doppelter Hinsicht
ungeeignet; zum einen aufgrund ungenügender Gültigkeit und Verlässlichkeit
der Ergebnisse. Zum anderen erzeugt alles, was als Kontrolle erlebt wird, Widerstände
und Abwehr statt Interesse und Sensibilisierung.
Die nach wissenschaftlichem Maßstab weitgehend unprofessionelle Konzeption
und Durchführung der Gespräche wird mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu
führen, dass gebildete und sozial kompetente Einbürgerungswillige
problemlos die gewünschten Antworten geben, während Menschen mit niedrigem
Bildungsstand und Sprachverständnis ein hohes Risiko eingehen, als unzureichend
verfassungstreu eingestuft zu werden. Sozial erwünschte Antworten lassen
sich leicht antrainieren; Rückschlüsse auf die Verfassungstreue aus
solchen Antworten sind spekulativ.
Der BDP unterstützt alle geeigneten Versuche, Einbürgerungswillige
für die in Deutschland geltenden Grundwerte zu sensibilisieren. Die baden-württembergische
Fragebogen-Aktion erfüllt diese Bedingung mit Sicherheit nicht. Der Verband
steht auch für eine Qualifizierung dieses Instruments, das zudem einen
diskriminierenden Eindruck erweckt und rechtsstaatlich bedenklich ist, nicht
zur Verfügung.
Christa Schaffmann, Pressesprecherin Glinkastr. 5, 10117 Berlin Tel. (49) 30 - 209 149 59 Fax: (49) 30 - 209 149 66
E-Mail: presse@bdp-verband.org
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