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Pressemitteilung
Nr. 23/06
20. November 2006
Hilferuf und Kampfansage
Massive Kritik beim Landespsychologentag in Saarbrücken am Niedergang
der Schulpsychologie in Deutschland
Am Jahrestag der Verabschiedung der UNO-Kinderrechtskonvention haben heute
die im Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) organisierten Psychologen des
Saarlandes unverzüglich die Schaffung von mindestens 19 zusätzlichen
Stellen für Schulpsychologen gefordert. Saarländische Schüler
müssten wegen des Fehlens von Schulpsychologen bis zu neun Monate auf einen
Termin warten.
Der schleichende Niedergang der Schulpsychologie in ganz Deutschland ist nach
den Worten der Vorsitzenden der BDP-Landesgruppe, Monika Fixemer, ein wichtiger
Grund dafür, dass das Recht auf Bildung hierzulande nur formal garantiert
ist, Chancengleichheit im Sinne der UNO-Konvention jedoch nicht besteht. Mit
Recht habe UNO-Sonderberichterstatter Vernor Munoz bei seinem Deutschland-Besuch
im April u.a. die starke Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen
Herkunft und die frühe Auslese an deutschen Schulen kritisiert.
Fixemer beklagte beim Landespsychologentag in Saarbrücken die Ignoranz,
mit der Landespolitiker in jüngster Zeit auf die begründeten Forderungen
nach einer besseren Ausstattung mit Schulpsychologen reagiert haben; insbesondere,
da das Saarland an letzter Stelle unter den Bundesländern rangiert. Seitens
des saarländischen Kultusministers Jürgen Schreier und des Geschäftsführers
des Landkreises Martin Luckas werde unverantwortlich, konzeptionslos und unsystematisch
gehandelt und eine mangelhafte Bildungspolitik betrieben. Dafür verdienten
sie eine klare Abfuhr durch die Wähler.
Dass Deutschland mit im Durchschnitt einem Schulpsychologen auf 16.000 Schüler
weit hinter Finnland und Dänemark (1:800), USA (1:1000) und Russland (1:500)
hinterherhinkt, ist - so Fixemer - ein Armutszeugnis für eines der reichsten
Länder Europas und eine der Ursachen für das blamable Abschneiden
in der PISA-Studie und auch in der am vergangenen Freitag veröffentlichten
Längsschnittstudie im Auftrag der Kultusministerkonferenz. Statt im Zusammenhang
mit anderen Reformen diese Relation zu verbessern, wurden Stellen nicht wieder
besetzt, so dass sich die Lage im Verlauf der vergangenen Jahre dramatisch verschlechtert
habe und - wenn jetzt nichts geschieht - zu kollabieren droht.
Fixemer begrüßte die Forderung des BDI nach Einstellung von 2000
zusätzlichen Schulpsychologen in Deutschland. Sie könne nur hoffen,
dass der Einsicht der Industrie, die nicht als Fürsprecher unnötiger
Geldausgaben im sozialen und Bildungssektor bekannt sei, nun die Einsicht der
Politiker folgt. Es liege nach der Föderalismusreform eindeutig in der
Verantwortung der Länder, das schulpsychologische Stützsystem vor
dem Zusammenbruch zu retten. Es werde Zeit, dass Landespolitiker bundesweit
begreifen, welche bildungspolitische Aufgabe damit vor ihnen steht. Der Wähler
- so Fixemer - wird diejenigen abstrafen, die bei der Föderalismusreform
nach Kompetenz für Bildungspolitik gerufen haben und sich nun um die nicht
zuletzt finanzpolitischen Konsequenzen drücken.
Christa Schaffmann, Pressesprecherin Glinkastr. 5, 10117 Berlin Tel. (49) 30 - 209 149 59 Fax: (49) 30 - 209 149 66
E-Mail: presse@bdp-verband.org
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