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Pressemitteilung
Nr. 24/06
21. November 2006
Investieren statt verbieten
Psychologen warnen nach dem Amoklauf von Emsdetten vor Nachahmungstätern
Nach Meinung des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (BDP) gibt es mehr
potenzielle Amokläufer an deutschen Schulen, als die Öffentlichkeit
wahrhaben wolle. Vor allem aber gebe es viel mehr Ausgegrenzte, viel mehr Jugendliche,
die sich als Verlierer begreifen bzw. zu Verlierern werden durch die Schule.
Einer Untersuchung der Universität München zufolge hat jede Schulklasse
ein bis zwei Mobbing-Opfer - Jugendliche, die sich als Ausgestoßene fühlen.
Es sind nach den Worten der Vorsitzenden der Sektion Schulpsychologie, Elfriede
Mittag, seelisch Verletzte, deren "Wunden" immer wieder aufgerissen
werden durch Zurückweisungen und Abwertungen, die sie zu Hause und/oder
in der Schule erleben. Sie brauchten dringend psychologische Hilfe. Diese könne
ihnen aber nur dort zuteil werden kann, wo Schulpsychologen präsent sind.
Nach dem Amoklauf in Erfurt 2002 hatten Politiker für jede Schule einen
Schulpsychologen gefordert. Aber die wenigen in Thüringen zusätzlich
eingestellten Kolleginnen und Kollegen wurden nach 18 Monaten wieder entlassen.
Der BDP ist sich einig mit dem Lehrerverband, dass die Politik es nach Erfurt
bei schönen Absichtserklärungen belassen hat und Forderungen nach
mehr Schulpsychologen nicht nur zur Krisenbewältigung, sondern zur täglichen
Verbesserung des Schulklimas, zur Moderation von Prozessen und zur Entwicklung
einer Förderkultur ungehört verhallten. "Nirgendwo in Deutschland
gab es einen Ausbau der Schulpsychologie als Stützsystem für Schulen.
Im Gegenteil: Freiwerdende Stellen werden oft nicht wieder besetzt. Deutschlands
als eines der reichsten Länder leistet sich hier im europäischen Vergleich
den letzten Platz", stellt Elfriede Mittag fest.
Mit Blick auf eine ganze Reihe suizidgefährdeter Jugendlicher warnt der
BDP vor Nachahmungstätern. Ohne eine gewisse Medienverwahrlosung negieren
zu wollen, sieht der Verband die Lösung nicht vordergründig im Verbot
von Handys und MP3-Playern auf dem Schulgelände und auch nicht in der Präsenz
von Polizei in Schulen, wie zum Teil in den USA. Richtige Prävention koste
leider etwas mehr Geld und verlange gut ausgebildete Fachkräfte. Sie könnten
zum Beispiel Ausgrenzung erkennen und rechtzeitig gegensteuern.
Auch wenn Länder und Kommunen sparen müssen, so sollten sie dies nicht
am falschen Ende tun. Investitionen in das Schulsystem und die Schulpsychologie
bringen nach den Worten von Elfriede Mittag hohe Renditen: Sie sparen die Kosten
für die "Reparatur" von Schulversagen, ermöglichen erfolgreiche
Berufskarrieren und damit Steuereinnahmen und - sie können Leben retten.
Christa Schaffmann, Pressesprecherin Glinkastr. 5, 10117 Berlin Tel. (49) 30 - 209 149 59 Fax: (49) 30 - 209 149 66
E-Mail: presse@bdp-verband.org
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