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Pressemitteilung
Nr. 01/08
17. Januar 2008
Schulpsychologie in Niedersachsen: Mangelware!
Niedersachsen reduziert die Zahl der Schulpsychologen dramatisch. Von ursprünglich
89 Stellen sollen nur 40 erhalten bleiben. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen
und Psychologen (BDP) appelliert an die Landesregierung, diese Pläne unbedingt
aufzugeben und stattdessen - wie andere Bundesländer - wieder stärker
in die Schulpsychologie zu investieren.
Die Notwendigkeit dafür, so der Vorsitzende der Sektion Schulpsychologie,
Stefan Drewes, wird leider meist nur unter dem Eindruck massiv ausbrechender
Gewalt gesehen und dann rasch wieder vergessen. Dabei gebe es für Schulpsychologen
täglich zur Unterstützung von Schülern, Lehrern und Schulleitern
jede Menge zu tun. Drewes widerspricht dem Argument, dass eine höhere Zahl
von Beratungslehrern und Sozialarbeitern die Schulpsychologen überflüssig
mache. In den PISA-Siegerländern gebe es neben der viel größeren
Zahl von Schulpsychologen auch Beratungslehrer. Niemand komme dort auf die Idee,
die eine Berufsgruppe durch die andere zu ersetzen, da beide ganz unterschiedliche
Kompetenzen einbringen und als schulische Unterstützungssysteme beide unverzichtbar
sind.
"In der 2a gibt es mehrere Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen.
Kevin aus der 7b wird in der Pause gemobbt. Bei Nina besteht der Verdacht auf
Rechenschwäche. Sascha schwänzt schon seit einer Woche. Sandra ist
hochbegabt und könnte eine Klasse überspringen." - So
beschreibt ein Schulleiter die Situation. Vorausgesetzt, es gibt Beratungsangebote
für die betroffenen Jugendlichen, aber auch für Eltern und Lehrkräfte,
können einige dieser Fälle durch erfahrene Lehrkräfte aufgefangen
werden, andere durch engagierte Eltern. Frühzeitiges Erkennen psychischer
Auffälligkeiten durch Schulpsychologen kann eine Eskalation von Problemen
verhindern.
Der Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen des BDP, Heiner Hellmann, verweist
zudem auf die wachsende Zahl psychisch schwer beeinträchtigter Schüler. "Muss
es immer erst zu Amokläufen kommen, bevor Politiker sich öffentlich
dafür einsetzen, dass Deutschland in Sachen Schulpsychologie endlich zu
anderen europäischen Ländern aufschließt?"
2007 wurde in Bundesländern wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen
die Schulpsychologie deutlich ausgebaut. Die Forderung von Bundespräsidenten
Horst Köhler nach individueller Förderung der Schüler und Unterstützung
durch Schulpsychologen wurde dort ernst genommen. Niedersachsen dagegen verringert
die Schulpsychologenstellen drastisch und liegt im Vergleich der Bundesländer
nun an letzter Stelle. In einigen Landkreisen gibt es schon heute keine schulpsychologische
Versorgung mehr. Im Ausland ist ein Schulpsychologe für etwa 1000 Schüler
zuständig, in Niedersachsen liegt die Relation aktuell bei 1:24.000 Schülern.
Die Sektion Schulpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
unterstützt den Anspruch des Kindes auf Erziehung und Bildung sowie auf
die entsprechende Entfaltung seiner Persönlichkeit. Als Ansprechpartner
bei Lern- und Verhaltensproblemen von Schülern sowie Fragen der Fortbildung
und der Schulentwicklung können sie eine zeitnahe Hilfestellung aber nur
mit einer entsprechenden Personalausstattung leisten. Die Forderung des BDP
lautet deshalb: Bis 2010 sollte in Deutschland eine Relation von einem Schulpsychologen
für 5000 Schüler, bis 2015 von 1:1000 erreicht werden.
Ansprechpartner:
Stefan Drewes
Vorsitzender der Sektion Schulpsychologie im BDP
Tel. 0211 - 899 53 41
Heiner Hellmann, Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen im BDP
Tel. 04209 - 931 660
Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5, 10117 Berlin
Tel. 030 - 209 149 59
Fax: 030 - 209 149 66
E-Mail: presse@bdp-verband.de
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