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Pressemitteilung
Nr. 08/08
1. September 2008
Fusion mit Risiken
BDP sieht schwierigen Integrationsprozess für neue deutsche Großbank
voraus
Aus wirtschaftspsychologischer Sicht birgt die Übernahme der Dresdner
Bank durch die Commerzbank einige erhebliche Risiken. Der Berufsverband Deutscher
Psychologen (BDP) sieht für das Management Probleme in mehreren Bereichen.
Dass die Mehrheit der betroffenen Mitarbeiter Informationen zur Fusion nicht
von ihren Vorgesetzten, sondern aus den Tageszeitungen erfuhr, bringt die
Führungsebene in Zugzwang, was das Informationsmanagement betrifft.
Die Beantwortung der Frage, wer wann wie viele Informationen erhält,
ist durchaus relevant für den Erfolg der Fusion, so BDP-Vizepräsidentin
Thordis Bethlehem.
Den Optimismus vom Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank, Herbert Walter,
dass "beide Institute hervorragend zusammen passen" und diese
zukunftsfähige Institution in den kommenden Monaten partnerschaftlich
und kollegial gestaltet werde, teilt sie nicht in vollem Umfang. "Bei
dieser Fusion geht es um eine horizontale Integration. Die damit verbundenen
Anforderungen sind in der Regel besonders hoch, weil sämtliche betrieblichen
Funktionen und Faktoren aufeinander abzustimmen sind, sich ergänzen
bzw. ersetzen sollen." Das betreffe den gesamten Managementstil - Risikobereitschaft,
Kontroll- und Entscheidungsverhalten und das Verständnis der Führungsrolle.
Die Dresdner Bank habe zudem die Übernahme durch die Allianz 2001 noch
nicht restlos verdaut, was jedoch nicht bedeute, dass die seit längerer
Zeit von Übernahmegerüchten gestressten Commerzbank-Mitarbeiter
es mit der Fusion insgesamt leichter haben als ihre Kollegen.
Viel wird davon abhängen, ob der Analyse der Unternehmenskultur bereits
im Vorfeld genügend Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Erfahrungen zeigten,
dass der Kulturaspekt und die Motivation aller Beteiligten (im übernehmenden
wie im übernommenen Unternehmen) von entscheidender Bedeutung dafür
seien, ob die angestrebten Synergieeffekte erreicht werden oder nicht.
Wie es auf die Motivation wirkt, wenn eine bereits 1872 gegründete Bank
ihren Namen verliert, wird sich erst erweisen. Zuviel Dominanz und Kontrolle
durch die Commerzbank wären aus Sicht von Bethlehem unklug. "Eine
'wir-sind- besser-Haltung' wäre der ideale Nährboden für
einen eher konfliktträchtigen Integrationsprozess." Viel werde
davon abhängen, welche Gestaltungs- und Karrieremöglichkeiten sich
im neuen Konzern für Mitarbeiter ergeben und wie diese Möglichkeiten
kommuniziert werden. Besonderes Augenmerk verdiene im Prozess der Integration
das mittlere Management, so Thordis Bethlehem. Es habe eine Schlüsselrolle
beim Werben für die Fusion inne und sei gleichzeitig selbst von den
Konsequenzen der Übernahme bedroht.
Dass allein die Nachricht von 9000 bevorstehenden Entlassungen zu einer
starken Verunsicherung in den Belegschaften beitragen und in einigen Fällen
auch eine Gefährdung der psychischen Gesundheit bedeuten kann, ist spätestens
seit Veröffentlichung des BDP-Berichts 2008 zur psychischen Gesundheit
am Arbeitsplatz bekannt. Darin waren die psychischen Folgen sowohl der Arbeitslosigkeit
als auch des drohenden Arbeitsplatzverlustes nachgewiesen worden. Solche
Effekte stehen im deutlichen Gegensatz zu den angestrebten Zielen einer Fusion - wie
z. B. einem verbesserten Kundenservice.
Christa Schaffmann, Pressesprecherin
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