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Pressemitteilung
Nr. 08/09
25. Juni 2009
Miteinander reden statt übereinander urteilen
BDP ruft Lehrer zu mehr Gelassenheit mit Kritik auf
Nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) zur öffentlichen
Kritik an Lehrern im Internetforum "Spickmich.de" hat der Berufsverband
Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) Lehrer zu mehr Gelassenheit
im Umgang mit Kritik aufgerufen. Der BGH hatte am 23. Juni 2009 die Klage einer
Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen abgewiesen, die sich durch Bewertungen ihrer
Schüler in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt sah. Die Bundesrichter
entschieden, dass das Recht der Schüler auf freie Kommunikation und Meinungsaustausch
das Recht der Lehrerin auf informationelle Selbstbestimmung überwiegt.
Lehrerverbände und Lehrergewerkschaft reagierten eher enttäuscht
auf das Urteil des BGH, das ihrer Meinung nach den Umgang zwischen Schülern
und Lehrern nicht erleichtere. Statt übereinander zu urteilen, sollten
sie lieber miteinander reden.
Eine Auffassung, die auch Klaus Seifried aus dem Vorstand der Sektion Schulpsychologie
des BDP, teilt. Negative Bewertungen in Internet-Foren seien für ihn Ausdruck
einer ungünstigen Klassen- und Schulkultur. Wichtig sei es, zwischen Lehrern
und Schülern starke Bindungen zu schaffen, die leider oftmals fehlten.
Schule sei schließlich mehr als Unterricht und Wissensvermittlung, betont
er.
Von Lehrern und Schülern erwartet Seifried, dass sie sich gegenseitig
Respekt entgegen bringen und ihnen auch Raum geben, Interessen und Wünsche,
aber ebenso Kritik und Verbesserungsvorschläge zu äußern. Dies
könne geschehen, indem Lehrerinnen und Lehrer Bewertungen ihrer Schüler
regelmäßig persönlich einholten - im Anschluss an Unterrichtseinheiten
oder zumindest am Schuljahresende. Je mehr Verantwortung für die Unterrichts-
und Schulgestaltung die Schüler selbst übernähmen, desto weniger
Konflikte träten auf und desto mehr Lernerfolge zeigten sich. "Wo
regelmäßige Rückmeldungen und die Beteilung der Schüler
Teil der Schulkultur sind, erübrigen sich Bewertungen in Internetforen",
so Seifried.
Schulpsychologen könnten positiv auf die Veränderung des Schulklimas
einwirken, indem sie auf Verbesserungspotenziale hinweisen und als Mediatoren
zwischen Schülern, Lehrern, Eltern und Schulleitung fungieren. In Konflikt-
und Streitschlichtertrainings vermittelten sie Schülern zudem Kompetenzen
im Umgang mit alltäglichen Auseinandersetzungen und wirkten so positiv
auf das Verhalten des Einzelnen ein.
"Wer seiner Funktion als Erzieher und Autoritätsperson gemäß Anforderungen
stellt, Grenzen setzt und gegebenenfalls über Sanktionen entscheidet,
macht sich naturgemäß nicht immer nur beliebt", so Seifried
an die Adresse der Lehrer. Das sollten sich Lehrer bewusst machen, wenn sie
mit Kritik konfrontiert werden. Zudem sollten sie genau überlegen: Was
ist dran an der Kritik? Wie kann ich mich bewegen und verändern? An Autorität
gewinne, so Seifried, wer mit Kritik gelassen umgehen und sich selbst in Frage
stellen könne. "Lernen geschieht nun einmal auch durch Fehler, und
wer sich diese eingestehen kann, gewinnt an Respekt."
Seifried warnt allerdings vor einer Verallgemeinerung des Urteils. Das Internet
berge durch seinen anonymisierten Charakter viele Gefahren. So komme es auf
verschiedenen Seiten immer wieder zu massiven Beleidigungen von Lehrern bis
hin Drohungen und anonymen Morddrohungen. Vor Übergriffen dieser Art müsse
man Lehrer und Schulen in jedem Fall schützen.
Klaus Seifried
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Mitglied des Vorstands der Sektion Schulpsychologie
Tel. 030 - 756 043 74
E-Mail: klaus.seifried@bdp-schulpsychologie.de
Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin
Tel. 030 - 209 166 620
Fax: 030 - 209 166 680
E-Mail: presse@bdp-verband.de
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