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Gegen das hilflose Helfer-Syndrom

Freiburger Modell der Supervision von Krankenschwestern und Krankenpflegern am Universitätsklinikum

Anderen Menschen in Not und Krankheit zu helfen, das ist für viele Mitbürgerinnen und Mitbürger Alltag. Auch am Freiburger Universitätsklinikum, einem Krankenhaus der Maximalversorgung, arbeiten mehrere tausend Männer und Frauen, um den Kranken und Hilfsbedürftigen eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Die insgesamt 2.800 Krankenschwestern und Krankenpfleger stellen neben den 1.000 Ärztinnen und Ärzten die größte Berufsgruppe am Universitätsklinikum Freiburg dar. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass dort jährlich etwa 50.000 Patienten stationär und fast 380.000 ambulant versorgt werden, dann ist nach Auffassung des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) klar, dass auch die Helferinnen und Helfer bei ihrer anspruchsvollen Arbeit psychologische Beratung und Unterstützung benötigen.

Internationale Beachtung
Um die Krankenschwestern und -pfleger im Arbeitsalltag nicht zu hilflosen Helfern werden zu lassen, wurde auf Initiative des Ärztlichen Direktors der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin am Freiburger Universitätsklinikum, Professor Dr. Michael Wirsching, eigens ein Supervisionsdienst für Pflegepersonal und Stationsteams eingerichtet. Mittlerweile arbeiten zwei Diplom-Psychologinnen, Andrea Wittich und Elisabeth Waller, für diesen Dienst. Ihre Arbeit findet inzwischen vielfältige Beachtung weit über das Universitätsklinikum hinaus und stößt auch international auf Interesse. Ziel und Zweck der Supervision für Pflegende und Stationsteams sind die Hilfe zur Bewältigung und Reduzierung berufsbedingter Belastungen, erläutert der BDP. Außerdem werden Arbeitsplatzzufriedenheit, Motivation und Leistungsfähigkeit erhöht. Die Nachfrage nach der Betreuung durch die beiden Psychologinnen ist hoch: Seit 1989 wurden in nahezu allen Abteilungen des Freiburger Universitätsklinikums über 130 Supervisionsgruppen mit insgesamt 1.400 Sitzungen durchgeführt. Hinzu kommen bei Bedarf kurzfristige Krisenberatungen sowie die Supervision von Krankenschwestern und Krankenpflegern in leitenden Positionen.

Emotionale Belastungen werden abgebaut
Jede Station hat Anspruch auf zunächst zehn Sitzungen Supervision, die auf die Dienstzeit angerechnet wird und für die Teilnehmenden freiwillig und kostenlos ist. Genutzt wird dieses Forum meist dazu, um emotionale Belastungen im Umgang mit Patienten, Fragen der Zusammenarbeit innerhalb des Pflegeteams, Konflikte zwischen den Berufsgruppen und Fragen der Arbeitsorganisation zu klären. Bei einer Befragung aller Mitarbeiterinnen, die den Supervisionsdienst je in Anspruch genommen haben, beurteilte die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmenden die erlebte Supervision als effizient und hilfreich zur Vermeidung oder auch Lösung zahlreicher Fragen und Probleme, die die Arbeit mit Patientinnen, im Team oder zwischen den Berufsgruppen im Alltag eines Großkrankenhauses betreffen.