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Leserbrief zu der Glosse: "Jammern allein hilft nicht" von Ironymus in der Ärzte Zeitung vom 17./18. November 2000

"Ein bisschen Sachkenntnis sollte man schon haben", lautete das "ironische" Urteil des Ironymus über eine Pressemitteilung des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) zu den Urteilen des Bundessozialgerichtes i. S. bedarfsunabhängige Zulassung von Psychotherapeuten nach dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG). Ein bisschen Sachkenntnis könnte allerdings vor allem dem Kommentator nicht schaden, und gerade eine Glosse verliert durch mangelnde Stringenz ungemein an Schärfe. Das geht gleich im ersten Passus los: Der Autor stellt fest, dass das Gesetz "mit heißer Nadel gestrickt und ... so wenig durchdacht (war), dass man es nach jedermanns Gusto interpretieren konnte." Nur nicht die Zulassungsausschüsse, die für Ironymus offenbar die Weisheit gepachtet haben, oder wie sollten sie als einzige in der Lage gewesen sein, "das Gesetz auch genau anzuwenden"?

Nach diesem Muster gestrickt ist auch die "Logik", aus der Forderung des BDP nach Änderung des PsychThG dessen Eingeständnis abzuleiten, viele Psychotherapeuten erfüllten nicht das, was im Gesetz steht. Richtig ist, dass der BDP gerade dank seiner Sachkenntnis feststellt: Der höchstrichterliche Spruch hat die offizielle juristische Interpretation geliefert und sie ist zum Nachteil der Betroffenen ausgefallen. Auch für den, der wie der BDP die Interpretation des Gerichts für falsch hält, ist der Spruch ein Faktum, das nicht aus der Welt zu schaffen ist. Wer trotzdem weiter etwas für die Betroffenen erreichen will, muss nachgerade zwingend eine Änderung des Gesetzes fordern, weil er die Interpretation des Gerichtes nicht anerkennt. Was nun im übrigen die Zahl der Betroffenen angeht - der BDP sprach von einigen tausend - war in der Ärzte-Zeitung vom 9.11.2000 von 6000 zu lesen. Wie gesagt, ein bisschen Sachkenntnis sollte man schon haben, und wer andere glossieren will, sollte es auch können. Satire darf alles - nur nicht schlecht sein.

Bonn, den 20.11.2000
Hans-Werner Drewe, Pressesprecher des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP)