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Lebenslange Liebesglück?

Psychologe: Funktionierende Partnerschaft ist Arbeit

Verliebt, verlobt, verheiratet. Doch dann wird es für viele Paare erst schwierig. Denn was als Bund für's Leben geschlossen wurde, endet immer öfter vor dem Scheidungsrichter. Nahezu jede dritte Ehe wird in Deutschland mittlerweile wieder geschieden. Und nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) in Bonn stabilisiert sich dieser Trend, die Zahl der geschiedenen Ehen bleibt hoch. Die meisten Scheidungen passieren dabei nicht erst im sogenannten "verflixten siebten Jahr", sondern finden sechs Jahre nach der Hochzeit statt. Eine erste ernste Bewährungsprobe steht bei vielen Beziehungen im dritten oder vierten Jahr an, so der BDP.

Für Erich H. Witte, Psychologieprofessor an der Universität Hamburg, ist dies nicht erstaunlich. Er hat 500 Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 80 Jahren nach ihren Paar- und Beziehungserfahrungen befragt und herausgefunden, dass nach drei bis vier Jahren die Phase der großen Verliebtheit endet. "Danach muss an einer Beziehung gearbeitet werden", sagt Witte. Der Psychologe warnt davor, sich in Sachen Liebe und Beziehung ausschließlich auf das Gefühl zu verlassen, so verführerisch dies auch sein mag. Doch kann das blinde Vetrauen auf das eigene Gefühl zu Fehlern im Verhalten und im Umgang mit dem Partner führen und wird so nicht selten zum Auslöser für den Anfang vom Ende.

Streit nicht unter den Teppich kehren
Zum Beispiel: Streit. Verstimmungen oder Streit bedrohen enge Paarbeziehungen immer wieder. Gleich ob der Streit wegen unterschiedlicher Lebensstile, wegen Geld, wegen Ärger im Beruf, wegen nervender Macken des anderen oder wegen vermeintlicher Kleinigkeiten vom Zaun bricht, wenn streiten nicht gelernt ist, kann sich aus einem zunächst harmlos wirkenden Streit eine tickende Zeitbombe entwickeln. So ist Streitkultur ein wichtiges Stück in der Beziehungsarbeit. Zum richtigen Streiten zählen Psychologen vor allem die Bereitschaft, dem Partner zuzuhören, seine Argumente zu würdigen, statt von vorneherein abzublocken. Zur Streitkultur gehört auch die Bereitschaft zu einer Einigung oder zu einem Kompromiss. Wichtig ist nach Ansicht der Psychologen auch, einen sich abzeichnenden Streit nicht unter den Teppich zu kehren, sondern Verstimmungen anzusprechen und so dem Partner die Chance zu geben, die gefährlichen Beziehungskiller überhaupt wahrzunehmen und im offenen Gespräch den anderen und seine Bedürfnisse, Wünsche oder Sorgen nachzuvollziehen.

Doch die Fähigkeit zum kompromissorientierten Streiten allein reicht nicht aus, um die große Liebe über die Jahre und durch den Alltag zu retten. Für Psychologieprofessor Witte bestehen das Geheimnis und die Kunst anhaltenden Glücks zu zweit vor allem darin, das einmal entstandene Gefühl für den Partner aufrecht zu erhalten. Auch wenn es hierfür kein allgemeingültiges Rezept gibt, so hat Witte dennoch fünf Säulen der Liebe und der stabilen Partnerschaft herausgefunden. Hierzu zählen auch die kleinen Dinge des Lebens wie Blicke, Gesten und liebevoller Körperkontakt. 85 Prozent der befragten Paare sind diese Liebesbeweise wichtig. Aber auch durch kleine Aufmerksamkeiten, persönliche Geschenke nicht nur an kalendarischen Pflichttagen wie Hochzeits- oder Geburtstag oder einfach ein paar Blumen zwischendurch signalisieren sich 75 Prozent der befragten Paare ihre Zuneigung und Nähe. Neben den materiellen Dingen ist den Befragten auch die Einstellung des Partners wichtig. Rücksicht, Toleranz, Sensibilität und Zuverlässigkeit schätzen die Paare als Grundlage einer funktionierenden Partnerschaft ein.

Dominanz eines Partners ist perfekter Liebestöter
Eine zweite Säule sieht der Sozialpsychologe Witte in offenen Gesprächen, denn nach seiner Einschätzung pflegen glückliche Paare darüber zu reden, was sie bewegt und beschäftigt. Wer sich dem Partner verschließt und ihn nicht am eigenen Leben, an den Gedanken und Gefühlen teilhaben lässt, baut langsam aber sicher eine unsichtbare Mauer um sich herum auf. Nach Wittes Befragung reden die glücklichen Paare nicht nur über die Erlebnisse des aktuellen Tages, sondern tauschen sich auch darüber aus, was sie bedrückt und was sie ärgert. Ein heikler Punkt ist hierbei die Kritik am anderen. Professor Witte rät, persönliche Kritik an ein positives Signal zu koppeln. Also statt langen Meckerns sollten kritische Anmerkungen so angelegt sein, dass der Kritisierte sich dennoch angenommen und geliebt weiß. Nach Wittes Einschätzung funktioniert dieser Trick sogar bei schweren Krisen in der Partnerschaft.

Dagegen sei Dominanz eines Partners in der Partnerschaft "ein perfekter Liebestöter". 94 Prozent der befragten Paare sehen im Ungleichgewicht zwischen den Partnern ein ungünstiges Vorzeichen für eine gelingende Beziehung. Statt dessen sollten beide auf die Balance im Umgang miteinander achten. Eine Beziehung dagegen, in der einer eindeutig den Ton angibt und der andere nicht die gleichen Rechte hat, hat wenig Aussicht auf lange Dauer.

Geliebt wird wer beliebt ist
Professor Witte hat weiterhin herausgefunden, dass die Außenwirkung einer Beziehung auch Einfluss auf ihr Innenleben hat. 80 Prozent der Befragten, die in einer glücklichen Partnerschaft leben, halten ihren Partner für beliebt. Wer in seinem sozialen Umfeld geschätzt wird, Ausstrahlung hat, Freunde hat, der strahlt offenbar nicht nur für die Umgebung angenehme Eigenschaften aus, sondern wirkt auch auf den Partner attraktiv und wohltuend. So kann Beliebtheit eines Menschen ein Indikator für dessen Beziehungsfähigkeit sein. Säule Nummer fünf definiert Professor Witte über das soziale Ansehen und Anerkennung in Beruf und Freundeskreis. Jemand, der Kompetenz besitzt, der kann auch in einer Partnerschaft Sicherheit und Gelassenheit ausstrahlen und so stabilisierende Faktoren einbringen

Die fünf Säulen zur Aufrechterhaltung von Zuneigung und Liebe sind sicher eher Richtschnur denn Sicherungsleine. Doch hat die Befragung eines deutlich gezeigt: Eine Partnerschaft, die lange dauert und gleichzeitig glücklich ist, stellt Aufgaben und Herausforderung an die Partner. Darauf, dass es schon irgendwie funktioniere, sei nach Einschätzung von Professor Witte kein Verlass. Witte: "An der Liebe muss immer wieder gearbeitet werden, dann bleibt sie auch bestehen."

Dieter Wrobel (idp)