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Bald kein Nachwuchs mehr an Psychotherapeuten?Hohe Kosten und andere Erschwernisse schrecken von der Ausbildung ab Delegierte des Berufsverbandes Deutscher Psychologen beraten am Wochenende in Bad Honnef über Forderungen zur Abwendung einer Versorgungskatastrophe Katastrophale Ausbildungsbedingungen schnüren dem Psychotherapeuten-Nachwuchs die Luft ab. Grund ist die Ausbildungsverordnung, die das Bundesgesundheitsministerium aufgrund des 1999 in Kraft getretenen Psychotherapeutengesetzes erlassen hat. Sie hat zur Folge, dass die meisten Ausbildungskandidaten - die als Diplom-Psychologen bereits eine Berufsausbildung absolviert haben - sich diese Zusatzausbildung einfach nicht mehr leisten können. Wer nicht gerade eine größere Erbschaft gemacht hat, muss schließlich das "Lehrgeld" von 40.000 DM und mehr, das dafür fällig wird, gleichzeitig in einem anderen "Job" verdienen. Und wer sich darauf noch einlässt, scheitert spätestens an den unflexiblen Regelungen für den praktischen Teil der Ausbildung (Psychiatriejahr), da sie die Auswahl möglicher Ausbildungsplätze unerträglich einschränken. Bliebe es bei diesen Bedingungen, werde der Berufsstand der Psychologischen Psychotherapeuten in absehbarer Zeit extrem dezimiert, befürchtet deshalb der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) in Bonn. Ohne eine nachhaltige Verbesserung der Ausbildungssituation werde die nach den soeben (8.11.2000) ergangenen Urteilen des Bundessozialgerichts (BSG) ohnehin bereits akut gefährdete psychotherapeutische Versorgung in absehbarer Zeit völlig zusammenbrechen, meint der Verband. (Das BSG hatte einigen tausend niedergelassenen Psychotherapeuten die Kassenzulassung verweigert.) Verständlich, dass angesichts solcher Bedingungen allen voran die Psychologiestudierenden bei ihrem Berufsverband Alarm schlagen. Auf ihre Initiative hin wird sich die Delegiertenkonferenz des BDP am 18./19. November in Bad Honnef mit den Problemen befassen, die Psychologiestudenten mittlerweile massiv von einer Ausbildung in Psychotherapie abschrecken, und über Forderungen an den Gesetzgeber beschließen. Ein Leitantrag an dieDelegierten, der sich "für die Verbesserung der Zukunftschancen des psychotherapeutischen Nachwuchses" einsetzt, fordert als Sofortmaßnahmen mehr und vielfältigere Ausbildungsplätze für das praktische Jahr sowie eine angemessene Vergütung der Tätigkeit während dieser Praxisphase. Nach Angaben der Bundesvereinigung deutscher Psychologiestudentinnen und -studenten im BDP verbinden 80 Prozent der Ausbildungskandidat(inn)en zu Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit der geltenden Ausbildungsverordnung persönliche Nachteile. Bemängelt werden vor allem die hohen Kosten für die (privatwirtschaftlich organisierte) Ausbildung (40.000 DM und mehr) bei allenfalls minimaler Bezahlung der praktischen Tätigkeit während der Ausbildungsphase. Außerdem werden die drastisch eingeschränkte Wahlmöglichkeit von Therapieverfahren sowie die insgesamt sehr inflexible Gestaltung der Ausbildung gerügt. Viele angehendene oder gerade diplomierte Psychologinnen und Psychologen beklagen auch die weitgehende Überschneidung der theoretischen Inhalte der Psychotherapieausbildung mit dem Studium. Bereits im Studium erbrachte Leistungen - so eine weitere Forderung - sollten deutlich stärker anerkannt werden, als bisher vorgesehen. Die Folge des Rückgangs an Psychotherapeuten wäre eine immense Verschlimmerung des Versorgungsengpasses angesichts der schon heute bestehenden Unterversorgung: Eine soeben veröffentlichte, die neuen BSG-Urteile aber noch gar nicht berücksichtigende Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) beziffert den derzeitigen Versorgungsgrad auf 45,9 Prozent. |
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