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Kein Seelenheil per Mausklick

Internet: Beratung ja - Psychotherapie nein

"Mehr und mehr Menschen suchen psychologischen Rat und psychotherapeutische Hilfe mittlerweile per Internet. Das kann bis zu einem gewissen Grad durchaus sinnvoll sein, meint der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) in Bonn. Der Verband warnt jedoch vor zu hohen Erwartungen und rät, Beratungs- und Therapieangeboten im Internet erst einmal mit Vorsicht zu begegnen. Wichtig sei vor allem der Unterschied zwischen psychologischer Beratung und Psychotherapie. Qualifizierte psychologische Beratung in umgrenzten Problemfeldern könne durchaus eine seriöse Internet-Dienstleistung sein. Internet-Beratung sei jedoch keine Psychotherapie und könne sie auch nicht ersetzen.

Manchen Menschen erleichtert die Anonymität im Internet allerdings den Weg zum Psychotherapeuten, Schwellenängste werden abgebaut. Therapeutische Kontakte könnten aber über die Anbahnung des Kontaktes und den Austausch grundlegender Informationen nicht hinaus gehen. Schon das erste virtuelle Therapiegespräch überfordert viele Patienten. Da soll der Ratsuchende beispielsweise die Ursachen seiner seelischen Not kurz schriftlich ausdrücken. Viele Patienten wissen zwar, was ihr Problem ist, aber die Ursachen dafür sind ihnen nicht klar, die zeigen sich erst im Laufe einer psychotherapeutischen Behandlung. Sie können auch nur in diesem Rahmen erfolgreich behandelt werden. Wer therapeutische Hilfe braucht, sollte das Internet daher allenfalls für die Suche nach einem qualifizierten Psychotherapeuten nutzen. Hierbei sollte man aber unbedingt darauf achten, dass man seriöse Register (z.B. www.psychotherapiesuche.de) benutzt. Im übrigen ist nach dem neuen Psychotherapeutengesetz der Weg zum Psychotherapeuten heute genauso leicht wie zum Hausarzt.

Beratungsangebote kritisch prüfen
Wer im Internet psychologische Beratung sucht, der sollte nicht nur genau prüfen, was angeboten wird, sondern auch was die einzelnen Leistungen kosten. Ganz wichtig: Darauf achten, dass die erste Kontaktaufnahme per e-Mail kostenlos ist. Seriöse Anbieter machen ausführliche und überprüfbare Angaben (u.a. postalische Adresse) über sich selbst. Und sie beginnen mit der eigentlichen Beratung beispielsweise überhaupt erst, wenn der Anfrager per Mausklick bestätigt hat, dass er die Grenzen und Einschränkungen psychologischer Fernberatung zur Kenntnis genommen hat. Das heißt: Sie weisen auch darauf hin, dass die Beratung keine Psychotherapie darstellt und nicht die Konsultation eines Psychotherapeuten ersetzen kann.
Geht es aus der Homepage des Anbieters nicht ohnehin hervor, sollte man als Interessent schon beim ersten Kontakt erfragen, ob der Anbieter einer psychologischen Beratung tatsächlich ein Diplom-Psychologe ist und ob er sich auf die berufsethischen Grundsätze seines Berufsstandes verpflichtet hat. Dies ist bei allen Mitgliedern des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) der Fall und kann ggf. durch eine Anfrage beim Berufsverband überprüft werden. Wenn die Qualitätsmerkmale des Anbieters stimmen, sollte der "Kunde" sich unbedingt Klarheit verschaffen, was wie berechnet wird. Es gibt unterschiedliche Modelle. Da gibt es Anbieter, die im Minutentakt abrechnen, beispielsweise DM 1,30 pro Minute. Häufig wird im Viertelstundentakt abgerechnet, im Schnitt kostet das pro Viertelstundenkontakt für Frage- und Antwortmails DM 45,00. Vorsicht ist ratsam bei Angeboten wie das 10er-Beratungspaket für DM 600,00, im Voraus zu zahlen. Hier kauft man möglicherweise die Katze im Sack. Grundsätzlich sollten Ratsuchende aber auch von Billiganbietern Abstand halten. Werden Beratungsstunden pauschal mit DM 30.00 angeboten, dürften die Auskünfte aus fachlicher Sicht kaum über "Briefkastenonkel-Niveau" hinausgehen. "Hände weg!" gelte natürlich erst recht, wenn mit "Heilsversprechungen" und "Patentrezepten" geworben wird.

Ob ein Anbieter von Internet-Beratung Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) ist und sich somit auf die Einhaltung der Berufsethischen Verpflichtungen bzw. der Berufsordnung für Psychologen verpflichtet hat, erfährt man beim BDP, Referat PR und Marketing, Glinkastr. 5-7, 10117 Berlin, e-mail: presse@bdp-verband.org