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Arbeitsorganisation im Krankenhaus
Qualität der Pflege steigt bei ganzheitlicher Betreuung
Eine bessere Ausbildung und mehr Verantwortung machen zufriedener. Das zeigt eine Studie zu Arbeitsorganisation und Pflegepersonal in Krankenhäusern. In einem von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Hamburg, geförderten Forschungsprojekt haben die Bochumer Psychologen Dagmar C. Wolf und Christoph Teichert die Auswirkungen der verschiedenen Pflegesysteme und Arbeitsorganisationsformen auf die Dienstleistung im Krankenhaus untersucht. Wenn die Erkenntnisse der Wissenschaftler um sich greifen, müssen sich nach Einschätzung des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) die Pflegedienstleitungen in vielen Krankenhäusern umorientieren.
Einordnung der Pflegesysteme
Finanzierung und Qualitätssicherung sind zwei zentrale Themen der aktuellen Diskussion um die Gesundheitsreform in Deutschland. Auf die Arbeitsorganisation im Pflegedienst nehmen sie entscheidenen Einfluss. Die Bochumer Psychologen untersuchten auf 18 Stationen in sieben deutschen Krankenhäusern, wie sich Pflegesystem und Arbeitsorganisation auf den stationären Arbeitsalltag, das Wohlbefinden der Pflegekräfte und die Dienstleistungsqualität aus Sicht der Patienten auswirken. Dazu befragten sie insgesamt 172 Pflegekräfte und 95 Patienten mit Hilfe eigens dafür entwickelter Fragebögen. Diese Ergebnisse werteten die Forscher aus, um die Dienstleistungsqualität der verschiedenen vorgefundenen Pflegesysteme zu erfassen und zu klassifizieren.
Von der traditionellen Funktionspflege...
Bei der Untersuchung zeigte sich, dass auf vielen Stationen nach dem Prinzip der traditionellen Funktionspflege gearbeitet wird. Die anfallende Arbeit auf der Station wird dabei auf das gesamte Pflegepersonal aufgeteilt. Wenn jedoch ein Pfleger nur für die Medikamentenausgabe, eine andere Schwester nur für das Messen des Blutdrucks verantwortlich ist und das Personal dabei häufig wechselt, leidet die persönliche Betreuung der Patienten: Die eindeutige Bezugsperson fehlt. Zurückzuführen ist die traditionelle Funktionspflege auf die stark ausgeprägte hierarchische Struktur im Gesundheitswesen. Während die medizinische Betreuung bei der Stationsleitung und den Ärzten liegt, werden täglich anfallende Arbeiten oftmals auf Lernschwestern und -pfleger übertragen.
... zum ganzheitlichen Pflegesystem
Auf den Stationen, die hingegen ein ganzheitliches Pflegesystem praktizieren, werden den Pflegekräften Patienten zugeteilt, die sie regelmäßig und umfassend betreuen. Dadurch fühlen sich die Patienten besser versorgt: Sie haben klare Ansprechpartner und wissen, dass diese mit ihrer persönlichen Situation vertraut sind. Doch nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Pflegekräfte hat die Einführung eines ganzheitliches Pflegesystem oder der Gruppenarbeit einen positiven Effekt: Die umfassende Betreuung einzelner Patienten bedeutet für das Personal eine Erweiterung des eigenverantwortlichen Arbeitens, da es den Handlungs- und Entscheidungsspielraum vergrößert. Wie die Untersuchung gezeigt hat, sind Pfleger und Schwestern durch die damit gesteigerte Effektivität ihrer Arbeit zufriedener. Allerdings müssen einige Voraussetzungen für die Einführung eines ganzheitlichen Pflegesystems beachtet werden: Die einzelnen Bereiche des Krankenhauses wie Technik, Organisation und Personal müssen aufeinander abgestimmt sein und gut zusammen arbeiten. Außerdem stellt ein solches System höhere Anforderungen an die Qualifikationen der Pflegekräfte, da unzureichend ausgebildetes Personal der erweiterten Verantwortung nicht gewachsen ist.
Wettbewerbsvorteile
Sind diese - zum Teil auch sehr aufwendigen - Voraussetzungen der Einführung von Gruppenarbeit oder ganzheitlicher Pflegesysteme, die nicht für jede Station geeignet sind, aber erfüllt, erwarten sich die Psychologen langfristig einen positiven betriebswirtschaftlichen Effekt für Krankenhäuser, denn die gesteigerte Kundenorientierung schafft einen Wettbewerbsvorteil. Zum anderen ergeben sich positive finanzielle Folgen: Die Zufriedenheit des Pflegepersonals verhindert die Fluktuation von Mitarbeitern und das spart z. B. ansonsten anfallende Einarbeitungskosten.
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