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"Früh übt sich, wer gesund bleiben will"
Gesundheitsförderung sollte schon im Kindesalter einsetzen
Erst seit Kurzem gehören Gesundheitsförderung, Prävention und Selbsthilfe wieder zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Nach Auffassung des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) handelt es sich dabei um eine gesamtpolitische Aufgabe, die von der Gesundheitspolitik auch in andere Politikbereiche wie Arbeit, Bildung, Familie, Umwelt und Wirtschaft hineingetragen werden müsse. Dabei rechnen sich finanzielle Investitionen in Gesund-heitsförderung nach Meinung der Experten im BDP auch wirtschaftlich, da sie in den jeweiligen Einsatzbereichen zur Senkung krankheitsbedingter Kosten führten. Allerdings müssten die Präventionsangebote so gestaltet werden, dass sie von ihren Adressaten auch angenommen werden. Die fachlichen Kompetenzen von Psychologen seien hierfür sehr wichtig, betont der BDP.
Mit Qualitätsmnagement Effizienz sichern
Mit einem eigens für gesundheitsfördernde Maßnahmen entwickelten Qualitätsmanagement will der BDP dafür Sorge tragen, dass wissenschaftliche Fundierung und Effizienz gewährleistet sind. In der Vergangenheit wurde häufig mit pauschalisierend erhobenen Vorwürfen gegen einzelne Maßnahmen versucht, der Gesundheitsförderung und Prävention generell ihre Berechtigung abzusprechen. Den Krankenkassen und anderen Trägern wollen die BDP-Experten deshalb dabei helfen, wirksame Qualitätssicherung bereits von vornherein in ihren Maßnahmen zu berücksichtigen. Der BDP verweist in diesem Zusammenhang auf die umfangreichen psychologischen Forschungen zur Gesundheitsförderung und die von Psychologen auf dem Gebiet seit mindestens zwei Jahrzehnten erworbenen Berufserfahrungen.
Als organisatorische Maßnahmen schlägt der BDP u.a. vor, kommunale Koordinationsstellen der Städte bzw. Landkreise mit den örtlichen Krankenkassen zu bilden. Auf Bundesebene beteiligt sich der BDP aktiv am Aufbau einer „Allianz für Gesundheitsförderung in Deutschland“ (AGD), bestehend aus Ministerien, Krankenkassen und anderen wichtigen Organisationen.
Einsatz mit Mehrfachnutzen
Der Nutzen der Gesundheitsförderung ist in doppelter Hinsicht wissenschaftlich längst erwiesen: Ihr Einsatz vermindert deutlich die Entstehung von Erkrankungen und beeinflusst damit die Lebensqualität von Menschen immens positiv. Zum anderen resultieren aus erfolgreicher Gesundheitsförderung und Prävention in der Regel nennenswerte, oft drastische Einsparungen für Krankenkassen, andere Sozialversicherungsträger, Betriebe und an anderen Stellen.
Gesundheitsförderung senkt Kosten
Im Juli 1998 stellte der Bundesverband der Betriebskrankenkassen in einer Analyse zu den Perspektiven der Gesundheitsförderung fest: "Betriebe, die in Gesundheitsförderung investieren, haben in der Regel niedrigere Krankenstände und eine insgesamt höhere Produktivität, als Betriebe, die dies nicht tun." Nach Erfahrungen von Experten im BDP führt schon eine einprozentige Senkung des Krankenstandes zu Einsparungen allein von Personalkosten in Höhe von 40.000 DM je 100 Beschäftigte und Jahr. Der nach seriösen Untersuchungen als unvermeidlich anzusetzende Krankenstand liegt bei ca. vier bis fünf Prozent, die durchschnittliche tatsächliche krankheitsbedingte Fehlzeitenquote aber bei 10 Prozent. Vermeidung dieser "überflüssigen" Fehlzeiten heißt nicht, den "Blaumachern" auf die Sprünge zu helfen. Deren Anteil fällt absolut nicht ins Gewicht. Es bedeutet vielmehr Vermeidung von ernsthaften Erkrankungen, die auch diesem Teil der Fehlzeiten zugrunde liegen. Sie schlagen durch Inanspruchnahme medizinischer Leistungen bei den Kassen nochmals zu Buche, bergen also hier ein zusätzliches Einsparungspotential.
Für amerikanische Unternehmen sind Kosten-Nutzen-Analysen schon seit längerem eine Grundlage für Investitionen in die Gesundheit der Beschäftigten. Die Ergebnisse sind offenbar so überzeugend, dass 80 Prozent aller Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern in den USA ein eigenes Budget für Gesundheitsförderung haben.
Prävention muss bei Kindern ansetzen
"Klassische" Programme der Gesundheitsförderung richten sich an Erwachsene und widmen sich u.a. den Themen Bewegung, Er-nährung, Stressbewältigung. Solche Programme waren und sind erfolgreich. Einige Defizite sind aber schnell erkennbar: Wer an einem Rückenschulkurs teilnimmt, hat fast immer schon Rückenschmerzen. Wer lernen will, seinen Stress zu bewältigen, leidet oft seit Jahren darunter. Eine vorbeugende Wirkung im Sinne der Krankheitsverhütung wird hier nicht mehr erzielt.
Der BDP setzt sich deshalb dafür ein, mit Gesundheitsförderung bei den Kindern anzusetzen. Dass früh üben sollte, wer gesund bleiben will, legen auch einige erschreckende Zahlen nahe, die schon 1997 von der Techniker-Krankenkasse veröffentlicht wurden: Von 5.000 befragten Kindern und Jugendlichen zwischen acht und siebzehn Jahren hatten 90% Erfahrungen mit Kopfschmerz, 50% litten unter Spannungskopfschmerz und 11% unter Migräne. Nach anderen Untersuchungen leiden schon 22% der sieben- bis neun-jährigen Kinder täglich unter Kopfschmerzen, erleben zwei von drei Grundschülern Stress und leidet jeder vierte Grundschüler unter körperlichen Beschwerden als Folge von Stress.
Auch folgende Zahl macht nach Auffassung des BDP deutlich, dass Gesundheitsförderung im Kindesalter eine dringende Zukunftsaufgabe darstellt: Nach einer Untersuchung des Instituts für Medizinische Statistik entfallen rund 490.000 Verordnungen von Psychopharmaka auf Kinder in der Altersgruppe bis zu 12 Jahren. Nicht berücksichtigt sind hierbei frei käufliche Medikamente. Es ist anzunehmen, dass diese Medikamente gegen die vorgenannten Belastungssymptome eingesetzt werden. Nach Auffassung des BDP muss solchen Tendenzen unbedingt mit einer wirkungsvollen, psychologisch fundierten Gesundheitsförderung durch Krankenkassen und Schulen mit selbstverständlicher Einbeziehung der Eltern entgegengewirkt werden. Denn die entscheidenden Weichen für die Gesundheitsentwicklung werden schon im Kindesalter gestellt.
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