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Report Psychologie 4/2007:

Nicht Werbung, sondern Hilfe

Studenten wünschen sich mehr BDP-Präsenz an den Unis

Nach Auschreibung des Ideenwettbewerbs »Your are Psychology« haben viele Einsendungen den BDP erreicht. Report Psychologie sprach mit Ursula Handl:, Uni Potsdam, und Robin Siegel:, Uni Münster, über ihre Vorschläge.

Sie beide haben beim Ideenwettbewerb für mehr Informationen des BDP an den Unis plädiert. Woran haben Sie dabei gedacht?

Handl: Ich wünsche mir nicht nur einmal im Jahr einen Vortrag über den Verband, sondern verschiedene Angebote zur Berufspraxis. Vielleicht muss man da gar nicht großartig eine Veranstaltung des BDP an der Uni beantragen, sondern über die Fachschaften informieren, dass eine solche Veranstaltung stattfindet – manchmal in den Räumen der Uni, manchmal vielleicht auch anderswo. Zu Studienbeginn – noch vor dem Start der Lehrtätigkeit – gibt es außerdem immer eine Einführungswoche. Da könnte sich der BDP auch einklinken und dadurch sehr früh in Kontakt zu Psychologiestudenten kommen. So entstünde das Gefühl, von Anfang an durch den Berufsverband begleitet zu werden.

Siegel: Ich denke noch nicht einmal an viele zusätzliche Angebote, sondern wünschte mir, dass Studenten zu den Veranstaltungen, die Sektionen, Landesgruppen, Fachgruppen, Arbeitskreise usw. sowieso machen, eingeladen werden. Uns entgehen bislang eine ganze Reihe wichtiger Termine, selbst Landespsychologentage. Kommunizieren könnte man solche Termine über Aushänge oder über EMails. Wir haben durch die Fachschaftskonferenzen und die Kooperation mit den Fachschaften schon große E-Mail- Listen, über die wir auch den Kongress der BV im Mai bewerben. Solange es psychologiespezifische Themen sind, hat niemand etwas dagegen, wenn der BDP diese Informationswege nutzt. Ich bin sicher, dass da auch Rückmeldungen kommen. Fast alle Fachschaften sind inzwischen auch telefonisch erreichbar. Wenn die Kapazitäten der Landesgruppen und Sektionen ausreichen, wäre ein persönlicher Kontakt zusätzlich natürlich optimal.

Handl: Ich denke auch, die Fachschaften würden sich freuen, wenn sie z.B. über interessante Veranstaltungen der Landesgruppen und Sektionen auf diese Weise informieren könnten. Auch Aushänge sind möglich.

Siegel: Das hängt aber stark davon ab, ob es eine Campus-Uni ist oder nicht. Wo die Psychologen eigene Gebäude haben wie wir hier in Münster, kann das funktionieren, wo sie sich die Räume mit vielen teilen (siehe Bielefeld z.B.), ist die Wirkung eher zweifelhaft.

Welche Rolle spielen die BV-Kongresse?

Ich habe noch an keinem teilgenommen. Ich denke aber, dass diese Kongresse sehr wichtig sind, jedoch bei Weitem nicht ausreichen. Wir brauchen solche Veranstaltungen – meinetwegen reduziert auf einen Tag – an jeder Universität. Die wichtigsten Arbeitsfelder sollten dabei durch Referenten aus der Praxis abgedeckt sein. Potsdam bietet einmalig ein Wochenendseminar »Berufsbildung für Psychologen « an; da könnte sich der BDP einklinken und die Veranstaltung dadurch bereichern. Wer den Verband in helfender Mission erlebt (nicht in werbender), wird ihn eher wertschätzen.

Siegel: Ich will den Kongress durch meinen Vorschlag, kleinere Veranstaltungen mit 50 bis 100 Teilnehmern an den Unis zu machen, auf keinen Fall ersetzen. Die Kongresse sind ungeheuer beliebt, aber wir erreichen selbst mit einem gut besuchten Kongress nur rund 600 von insgesamt 12 000. Für die anderen brauchen wir regionale Veranstaltungen, z.B. haben Johanna Thünker und ich den »Klinischen Tag« in Düsseldorf organisiert. In Münster bin ich an der Organisation eines Absolvententages für Arbeits- und Organisationspsychologie beteiligt. An solche Veranstaltungen denke ich, für die im Übrigen ein standardisierter »Fahrplan« entwickelt werden könnte, auf den nachrückende Semester zurückgreifen könnten. Die Räume gibt in der Regel die Uni; die Fachschaft organisiert z.B. einen Imbiss, und die BV kümmert sich um Referenten. Absprachen sind notwendig, aber diesbezüglich herrscht auch Aufgeschlossenheit bei Unis und Fachschaften. Wenn man dann noch BV-Angehörige bei den Teilnahmegebühren besserstellt oder sie gar ganz davon befreit, dann wird eine Mitgliedschaft im Verband rasch attraktiv.

Einer Ihrer Vorschläge bezieht sich auf eine Konsultationsmöglichkeit für Studenten. Wie soll das aussehen?

Ideal wäre eine regelmäßige Sprechstunde an der Uni, besetzt durch Vertreter der jeweiligen Landesgruppe.

Unter Ihren Ideen waren auch SPSS-Schulungen zu Vorzugsbedingungen für Studenten.

SPSS ist ein Statistikprogramm, das zwingend nötig ist, um wissenschaftliche Erhebungen statistisch auszuwerten. Es ist sehr teuer, so dass sich viele Studenten das nicht leisten können. Es gibt an der Uni die Chance, an einigen Rechnern mit SPSS zu arbeiten, aber viele beherrschen das Programm nicht. Bezahlbare Kurse nah am Studienort wären eine große Hilfe.

Wie kommen Studenten bislang zu Praktika, und warum wünschen Sie sich eine Praktikumsbörse des BDP?

Bislang organisiert Prof. Schwarz an der Uni Potsdam Praktikumsplätze, aber durchweg unbezahlte. Ich wünschte mir aus Solidarität mit dem beruflichen Nachwuchs Angebote aus der Mitgliedschaft des Verbandes, bei denen Studenten zumindest eine gewisse finanzielle Anerkennung gezahlt wird.

Sie haben sich außerdem gewünscht, dass der BDP ein wachsames Auge auch auf Studienbedingungen hat. Worum geht es Ihnen genau?

Durch die neue Studienordnung hat sich der Leistungsdruck weiter verschärft. Anwesenheitspflicht ist ein Problem für alle, die nebenbei Geld verdienen müssen, nicht zuletzt, um Studiengebühren zu bezahlen. Außerdem haben wir zu viele Prüfungen zu dicht gedrängt. Das geht auch die Semesterferien durch. So hat man keine Atempause mehr. Auch das Benotungssystem verdient eine kritische Überprüfung. Es wäre gut, Studenten würden den BDP an dieser Stelle als Interessenvertretung erleben.

Sie, Frau Handl, schreiben, es sei für Studenten schwer abschätzbar, wie aufwendig ein selbst gewähltes Thema ist. Auch dabei könnte der Verband raten, wie man den Rahmen absteckt.

Das könnte eine Aufgabe von Mentoren sein, die wir im ganzen Bundesgebiet brauchen und nicht nur in NRW, wo die Landesgruppe diesbezüglich bereits sehr aktiv ist.