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Report Psychologie 7-8/2007:

Ideenwettbewerb und Umfrage erfolgreich abgeschlossen

Große Resonanz zeigt starke Position des BDP in der Fachöffentlichkeit

"You Are Psychology - Sie haben gewonnen!" - mit diesen Worten haben wir nicht nur die Gewinner des Preisausschreibens benachrichtigt, sie gelten für alle BDP-Mitglieder. In der ersten Phase des BDP-Marketingprojekts wurde die Informationsbasis geschaffen, die zur Intensivierung und Präzisierung der Marketingbemühungen bei Studierenden und jungen Absolventen notwendig ist. Wie berichtet, führte der BDP seit Jahresbeginn einen Ideenwettbewerb unter Mitgliedern sowie eine Umfrage unter Studierenden und jungen Absolventen durch. Die folgenden Zeilen geben einen Überblick über wichtige Ergebnisse und die nächsten Projektschritte.

Kreativität aus Erfahrung

Ziel des Ideenwettbewerbs war, das Thema Nachwuchsmarketing unter den Mitgliedern zu platzieren und die kreativen Ressourcen im Verband zu aktivieren, um auf breiter Basis für den Nachwuchs attraktiver zu werden. "Was kann der BDP tun, um mehr junge Mitglieder zu gewinnen?" Zu dieser zentralen Frage erhielten wir 157 Einsendungen, ein Drittel von Nichtmitgliedern.
Der Schwerpunkt aller Einsendungen betrifft den Bereich kollegialer Vernetzung. Es solle ein bundesweites Mentorenprogramm aufgebaut, neben fest vereinbarten auch lockere Tandems (regional und fachlich spezialisiert) möglich sein und die Kooperation von Studierenden mit Landesgruppen intensiviert werden. Zahlreiche Vorschläge wurden auch zum internetbasierten Networking gemacht. Bemerkenswert ist, dass viele den wechselseitigen Nutzen ihrer Vernetzungsideen betonen.
Den persönlichen Kontakt zu BDP-Experten sucht ein Großteil der Teilnehmer, wenn es um Fort- und Weiterbildungen oder um Studien- und Karriereberatung geht. Hier ist das Fachwissen im BDP gefragt, vis-à-vis, am Telefon oder online.
"Was macht ein Praktiker denn eigentlich an einem ganz normalen Werktag?" Symptomatisch steht diese Frage für Ideen, die ein großes Interesse an beruflichen Erfahrungen und Praxiswissen zeigen. Der BDP soll aber nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch die individuellen beruflichen Visionen finden helfen. Demgegenüber sind die Insidertipps der "alten Hasen" natürlich bei jenen sehr gefragt, die beruflich orientiert sind. Konkret integrierbar sind die verschiedenen Ideen zum Berufseinstieg etwa in einer BDP Summer School.
Eine Menge bunter Ideen zur Onlinekommunikation betonen, die Verbandshomepage gehöre modernisiert, frischer layoutet und interaktiver gestaltet: verschiedene Portale, selbstverwalteter Webspace, Foren, Online-Arbeitskreise etc. Eher zu den Klassikern zählen da die Börsen zu Büchern, Studienplätzen, Tutorials etc. Diese sind besonders wichtig für Praktika und Jobs.
Sehr konkrete Ideen sind auch für den Report Psychologie eingegangen: Vorgeschlagen werden beispielsweise Themenreihen mit persönlichen Erfahrungsberichten, Vorstellung von Weiterbildungsträgern und Portraits "aus der Praxis".
Häufig wünschen sich unsere Antwortenden, der BDP möge mehr Präsenz an den Universitäten zeigen. Im Fokus stehen die Fragen "Was macht der BDP eigentlich?" (im Vergleich zur DGPs) und "Welchen persönlichen Nutzen kann ich aus der Mitgliedschaft ziehen?".
Das in vielen Ideen anzutreffende Orientierungsbedürfnis betrifft nicht nur die Planung der eigenen beruflichen Zukunft. Offenbar gibt es typische Situationen eines angehenden Psychologen, in denen konkreter Rat gefragt ist. Knappe, spezifische "Informationspakete" (für Erstsemester, für Absolventen, zu Ansprechpersonen innerhalb des BDP etc.) helfen, den Verband in der Zielgruppe zu etablieren.
Verlässliche Antworten suchen auch die, die eine Psychotherapieausbildung anstreben. Hier müsse der Verband als unabhängige Institution grundlegende Informationen bereithalten, Ausbildungsinstitute und Kliniken zertifizieren und sich deutlicher für die Interessen der PiA einsetzen.
Einige Vorschläge (Vereinfachung der Sektionswahl, verständlich aufbereitete Fachpolitik) zeigen, dass der BDP als kompliziert erlebt wird. Jedoch spricht insgesamt ein hohes Interesse am Verband aus sehr vielen Ideen, etwa wenn der BDP gezielte Diplomarbeiten vergeben, Praktikumsstellen im eigenen Haus bereithalten und aktiv auf (potentielle) Mitglieder zugehen soll, um diese für die Verbandsarbeit zu qualifizieren.

Studium und Berufseinstieg

Mit tatkräftiger Unterstützung der BV Studierende und zahlreicher Fachschaften wurden Plakate und Flyer an den psychologischen Universitätsinstituten verteilt, die zusammen mit breit gestreuten Werbebuttons im Internet 304 Personen zur Fragebogenbeantwortung auf www.youarepsychology.de führten .
Der erste Abschnitt befasste sich mit der momentanen Studiensituation. Als bedrückend empfanden die Befragten vor allem die eigene Unsicherheit in der beruflichen Orientierung, häufig als Ungewissheit ob der persönlichen Eignung für ein bestimmtes Berufsfeld. Hinzu kommt eine erlebte berufliche Perspektivlosigkeit (geringe Wahrscheinlichkeit einer Festanstellung, mangelnde Berufserfahrung, ungünstige Arbeitsmarktsituation). Die Notwendigkeit postgradualer Fortbildungen, deren Finanzierung insbesondere im psychotherapeutischen Bereich und die Unübersichtlichkeit der Angebote sorgen die Befragten gleichfalls. Vergleichsweise weniger Nennungen erhielten direkt studienbezogene Probleme.
Danach gefragt, was mehr Orientierung geben würde, lag der Schwerpunkt im zu erwartenden Spektrum: Informationen über Berufstätigkeitsmöglichkeiten, Arbeitsmarkt und Jobaussichten, Kontakte mit Praktikern, Mentorenprogramme, studienbegleitende, arbeitsmarktqualifizierende Fortbildungen, Weiterbildungsberatung und ein einschlägiges Internetportal. Der Bedarf nach unabhängigen Informationen zur Psychotherapeutenausbildung und dessen Finanzierung ist erheblich, ferner werden Praktika auch in sehr frühen Semestern gesucht.
Im zweiten Frageblock ging es um den bevorstehenden Berufseinstieg. Etwa 80% der Antwortenden konnten angeben, in welchem Arbeitsgebiet sie nach dem Studium arbeiten wollten, es dominierten Psychotherapie (27%) Beratung und Klinische Psychologie (24%), ABO-Psychologie (13%), Forschung und Lehre (10%) sowie Schulpsychologie, Neuropsychologie und Gesundheitspsychologie (je ca. 5%). Wer sich beruflich noch nicht entschieden hatte, begründete dies mit mangelnder Kenntnis des Stellenangebots bzw. der Abhängigkeit der angestrebten Tätigkeit hiervon. Trotz oder gerade wegen der Schwierigkeiten bei der Berufsorientierung liegt bei der großen Mehrheit der Befragten eine recht frühe berufliche Richtungsentscheidung vor.
Auch für die Phase des Berufeinstiegs fragten wir nach der Relevanz möglicher Unterstützungsangebote. Die folgende Tabelle zeigt den Unterstützungsbedarf (Skala von 1 = sehr unwichtig bis 5 = sehr wichtig):

Unterstützungsangebot Stichprobenmittelwert Varianz
Mentorenprogramm 4,37 0,59
Informationen zu Berufsfeldern und deren Entwicklung 4,24 0,83
Berufsspezifische Einstiegsberatung 4,20 0,72
Hilfe bei der Stellensuche 3,99 0,89
Bewerbungstraining 3,64 1,18
Juristische Beratung zu Arbeitsverträgen 3,39 1,10
Austausch mit anderen Stellensuchenden 3,37 1,03
Tabelle 1: relevante Unterstützung zum Berufseinstieg

Der letzte Teil der Befragung bezog sich direkt auf den Verband und bringt wichtige Informationen für ein erfolgreiches Mitgliedermarketing. Vom BDP erfahren haben die Studienteilnehmer in über 50% der Fälle über das Internet, ca. jeder Fünfte über Aushänge an den Universitäten, je ca. 17% auf persönliche Empfehlung von Kommilitonen oder Lehrenden. Betrachtet man Bekanntheit, Nutzung, Zufriedenheit und Relevanz verschiedener Serviceangebote des BDP, liegt der Report bei Bekanntheit und Nutzung zusammen mit der Praktikumsbörse auf hohem Niveau. Bekannt, aber weniger frequentiert sind der Studierendenkongress und die Fachschaftenkonferenz PsyFaKo. Andere Angebote wie Karriere- oder Existenzgründungsberatung sind kaum bekannt und wurden quasi nicht genutzt. Die gemittelten Zufriedenheitsmaße für die genutzten Angebote liegen (auf einer Skala von 1 = sehr unzufrieden bis 5 = sehr zufrieden) zwischen 3,65 und 3,82 und zeigen leichte Zufriedenheit. Ein äquivalentes Rating der Relevanz der Serviceangebote führt zu erwartungsgemäßen Resultaten, die sich wiederfinden lassen in den Ergebnissen zur Frage, welche Leistungen und Angebote des BDP ausschlaggebend sein können, als Mitglied neu beizutreten bzw. treu zu bleiben (Mehrfachnennungen möglich).

Leistung/Angebot Prozent der Fälle
Berufs- und Karriereberatung 77,3
Vernetzung mit Kollegen 51,7
Preisvorteile (Seminare, Zeitschriften, Kongresse, Versicherungen) 44,0
Materialien zur Berufsausübung 38,7
Praktikumsbörse 37,7
Rechtsberatung 27,3
Öffentlichkeitsarbeit für Psychologen 22,0
Report Psychologie 18,0
Studierendenkongress 16,3
Eigenes ehrenamtliches Engagement 13,7
Lobbyarbeit 12,7
Tabelle 2: für die BDP-Mitgliedschaft relevante Leistungen und Angebote

Den Wert einer BDP-Mitgliedschaft beziffern alle Befragten auf durchschnittlich 33 € jährlich, BDP-Mitglieder auf 48 €, Nichtmitglieder auf 31 €. Immerhin 26% der Befragten hatten Lust, m BDP aktiv zu werden. Diese 68 Interessenten wussten allerdings häufig (noch) nicht, wo und wie sie sich engagieren wollten. Fast gleich häufig bestanden allerdings klare Vorstellungen, insbesondere hinsichtlich einer bestimmten Sektion, im Rahmen von Veranstaltungen, in der PR oder bei der PiA-Arbeit.
In der Zusammenschau zeigen beide empirischen Erhebungen in eindrucksvoller Weise, was potentiellen jungen Mitgliedern fehlt, was sie von uns erwarten und womit wir sie ansprechen sollten. Diese Erkenntnisse in den nächsten Monaten umzusetzen in konkrete Marketingaktivitäten und fällige Verbesserungen des Serviceangebots des BDP ist Hauptziel der nun folgenden dritten Projektphase von "YouArePsychology". Das projektspezifische Steuerungsgremium wird nach Analyse und Bewertung der vorliegenden Ergebnisse im weiteren Verlauf Ziele und Mittel bestimmen, um den BDP auf eine breite Basis auch junger Mitglieder zu stellen - für eine starke Vertretung der Interessen aller Psychologen im BDP.

Hendrik Maier