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Glossar NeuroseNeurose, Sammelbegriff für eine Vielzahl von psychischen Störungen und Erscheinungsformen, deren Ursachen je nach psychologischer Richtung (z.B. Psychoanalyse, Lerntheorie) uneinheitlich gesucht werden. In deutlichem Gegensatz zur vorherrschenden psychiatrischen Schulmeinung nahm z.B. Freud bei psychischen Erkrankungen statt der Ätiologie einer hereditären Disposition psychogene Mechanismen, wie die aktualisierte Erinnerung an ein reales sexuelles Trauma, an. Wenige Jahre später revidierte er jedoch diese Verführungstheorie und führte statt dessen das Konzept der kindlichen Phantasie ein, deren Verdrängung fortan als Pathogen für die spätere Entstehung von Neurosen galt (Psychoanalyse). Den Begriff der Neurose gab es freilich schon vor Freud. Als in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts aus klinisch empirischer wie auch aus konzeptueller Sicht erkennbar wurde, dass die im psychoanalytischen Neurosebegriff behauptete Kompromissbildung aufgrund unbewusster Konflikte keineswegs für alle Patienten zutraf, dass vielmehr ein nicht unerheblicher Teil des Klientels entwicklungsbedingte Defizite in einzelnen Bereichen ihrer Persönlichkeitsstruktur aufwies, erfuhr das Neurosenkonzept eine Bedeutungseingrenzung. Aus der ichstrukturellen Beeinträchtigung erwuchs begrifflich allmählich das Konzept der Persönlichkeitsstörung. Die operationalisierte psychodynamische Diagnostik (OPD) verzichtet auf den Begriff der Neurose; statt dessen definiert sie verschiedene Konflikte, die mit gut bis unzureichend integrierten Persönlichkeitstruktur-Niveaus einhergehen können. W.M. ![]() |
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